Vanlife ohne Filter: Mein Leben im Campervan

Öko Vanlife: Tipps zur Müllvermeidung unterwegs

Reisen ohne Limit. Freiheit pur. Leben an den schönsten Orten der Welt. Jeden Morgen an einem neuen Ort aufwachen. Den Sonnenaufgang direkt vom Bett aus genießen.

Das klingt traumhaft, oder? Ich habe mir diesen Traum vor über zwei Jahren erfüllt und reise seitdem in meinem Van durch Europa, arbeite unterwegs und genieße meine Freiheit – meistens.

So fing alles an

Jahrelang bin ich sehr viel gereist, habe per Flugzeug ein neues Fernziel binnen weniger Wochen erkundet und so nach und nach meine Reise-Wunschliste abgehakt. Doch eines hat mich immer gestört: so wirklich intensiv kennen gelernt habe ich ein Reiseziel nur selten, war die Zeit doch immer viel zu knapp.

Ein paar Fernziele vor meinem Einzug in den Van…

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So arbeitete mein Hirn ganz oft an diesem Traum vom dauerhaften Reisen. Bereits 2014 schrieb ich in einem Artikel: „Am liebsten möchte ich mit einem Wohnmobil durch die Welt fahren und einfach dort stehen bleiben, wo’s mir gefällt. Und weiterfahren, wenn ich Lust auf einen Tapetenwechsel habe.“ (hier nachlesen: Mein Traum: ein Nomadenleben)

Damals war dies eine wage Wunschvorstellung, zumal ich überhaupt keine Ahnung von Wohnmobilen oder Camping hatte. Doch die Vorstellung, mein Zuhause immer mit dabei zu haben bzw. es überall mit hinnehmen zu können und so mit viel mehr Zeit neue Orte erkunden zu können – das klang einfach perfekt.

Im Sommer 2015 bin ich mit Freunden auf einer Rundreise durch die Mongolei. Irgendwo im Nirgendwo dieses wundervollen Landes fasse ich den Beschluss: ich kaufe mir ein Wohnmobil. Ob die nomadische Lebensweise der Mongolen mich dazu animiert hat? Jedenfalls sitze ich kurze Zeit später vor meinem Rechner auf der Suche nach dem perfekten Wohnmobil.

Let's go shopping - die Entscheidung für das perfekte Van-Modell

Von der Entscheidung bis zum Kauf des Campervans vergehen dann nur ein paar Wochen. Dann gilt es jedoch, weitere neun Monate auf die Lieferung des Vans zu warten. In der Zwischenzeit wird mir keineswegs langweilig, denn: der Umzug von meiner Wohnung in Berlin in den Van ist eine kleine Herausforderung.

  • Welche Sachen behalte ich? Was wird verkauft oder verschenkt?
  • Wie komme ich unterwegs an meine Post?
  • Wie wird das Arbeiten unterwegs funktionieren? Was sagen meine Kunden?
  • Werde ich von überall aus arbeiten können? Bzw. wie gut und wie teuer ist der Internetempfang im Ausland?
  • Welche Versicherungen brauche ich wirklich?
  • Wie viel Geld werde ich monatlich benötigen?

Ich hatte so gar keine Ahnung! Zum Glück bin ich zu dem Zeitpunkt (Ende 2015) nicht die einzige, die diese Idee des Vanlifes – des Lebens im Van – in die Realität umsetzen will. Und so lerne ich bei meiner Recherche verschiedene Menschen kennen, die bereits im Wohnmobil leben. Das ist ein gutes Gefühl.

Je mehr ich mich in dieser Zeit mit dem Thema Vanlife auseinandersetze, umso klarer wird mir: letztendlich ist es einfach eine andere Lebensweise – quasi eine rollende Wohnung, die mich überall hin begleitet. Viel mehr Zauberei steckt nicht dahinter.

Mein Pragmatismus hilft mir auch dabei, mich von den vielen gut gemeinten Ratschlägen nicht verunsichern zu lassen. Denn als ich verkünde, mein Leben auf vier Räder zu verlagern und von nun an im Campervan durch die Welt zu reisen, werde ich erst mal für verrückt erklärt.

Ist das nicht gefährlich?

Diese Frage bekomme ich sehr oft gestellt. Meine Gegenfrage: ist das Leben in Berlin nicht auch gefährlich? Genau, das kann man so pauschal nicht sagen. Also ziehe ich mit meinem wenigen Hab und Gut in den Campervan und fahre im Juni 2016 einfach mal los. Erstes Ziel: Schweden.

Roadtrip Schweden - entlang der schwedischen Südküste

Die erste Erkenntnis unterwegs: Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie das Leben im Van funktioniert! Aber mir ist auch klar, dass ich es einfach ausprobieren möchte. Ohne viel Plan einfach mal losfahren und die große Freiheit suchen, spüren, beschnuppern. Was kann schon schief gehen?

Mein Leben im Van fühlt sich anfangs wie ein riesiges Abenteuer an! Selbst wenn mein neuer Alltag oft aus ganz kleinen Abenteuern besteht:

  • Kann ich hier übernachten?
  • Wo bekomme ich Frischwasser her?
  • Wie viel Gas habe ich noch?
  • Wo wasche ich meine Wäsche?

Nach einiger Zeit unterwegs stellt sich eine gewisse Routine ein, das Abenteuer-Feeling lässt etwas nach und ich bin bereit, mich auf neue Herausforderungen einzulassen:

  • Ich beginne zu wandern. Immer höhere und weitere Routen nehme ich mir vor, die Herausforderungen spornen mich an. Die Natur gibt mir Kraft und Energie.
  • Ich arbeite an neuen Projekten. Denn plötzlich habe ich tausend Dinge im Kopf und werde viel entspannter und interessiert daran, Neues auszuprobieren.
  • Die Enge des Alltags in Deutschland ist weg, mein Horizont weitet sich mit jedem Tag, den ich unterwegs bin und mir einen neuen Vorgarten mit schönem Ausblick aussuche.
Wandern im Schnee - mitten im Sommer in Spanien
Wandern im Schnee – mitten im Sommer in Spanien

Seit über zwei Jahren bin ich nun alleine unterwegs im Van und genieße mein Leben on the Road in vollen Zügen. Anfangs hatte ich Bedenken, ganz alleine irgendwo zu übernachten. Mit der Zeit bekomme ich ein Gefühl dafür, wo ich mit dem Van parken kann und wo nicht. Gefährlich war es bisher nirgendwo – hoffen wir, dass es so bleibt!

Freiheit & Zeit

Letztlich ist das Leben im Van kein andauernder Glücksmoment, denn der Alltag ist auch hier manchmal anstrengend, langweilig oder nervig. Durch die große Flexibilität gelingt es mir jedoch viel besser, meinen Alltag so zu gestalten, dass ich mich wohl fühle, es gemütlich ist, ich Spaß habe oder meine Ruhe genießen kann – je nachdem, worauf ich gerade Lust habe.

Das Leben im Van bedeutet für mich einfach viel mehr Freiheit:

  • die Freiheit, zu gehen oder zu bleiben,
  • die Freiheit, die Menschen näher kennen zu lernen oder weiterzuziehen, wenn man nicht zusammen passt,
  • die Freiheit, den Ort mit dem besseren Wetter aufzusuchen,
  • die Freiheit, an einem schönen Ort einfach mal zu bleiben und nichts tun, weil es sich gut anfühlt.
  • die Freiheit, einfach mal nichts zu tun.

Ich bin weiterhin neugierig und möchte neue Gegenden und Länder erkunden, in die Kultur und den Alltag eintauchen. Und genau das kann ich jetzt in aller Ruhe machen, denn ich habe keinen Zeitdruck, sondern kann so langsam oder schnell reisen wie ich möchte.

Slow Travel – Reisen verändert

Großbritannien, Irland, Island, Mongolei… wo ich noch überall hinfahren möchte – die Liste ist ewig lang. Vermutlich werde ich es gar nicht schaffen, inzwischen ist mir das aber egal. Denn: ich reise lieber langsam, erlebe und genieße neue Länder und Gegenden gerne viel intensiver, anstatt nur durchzufahren.

Bin ich anfangs noch innerhalb von drei Monaten durch ganz Skandinavien (von Schweden über Finnland nach Norwegen) gefahren, hat sich meine Reisegeschwindigkeit inzwischen extrem verlangsamt.

Am Strand von Nazaré in Portugal
Vanlife am Strand von Nazaré in Portugal

Das führte unter anderem dazu, dass ich über sechs Monate in Portugal verbracht und noch immer das Gefühl habe, längst nicht alles vom Land gesehen zu haben. Auch in Spanien war ich mehrere Monate und es gibt noch so viele unentdeckte Ecken.

Derzeit reise ich durch Griechenland. Auch wenn das Land nicht sehr groß ist, bietet es eine große Vielfalt an Natur und Kultur. Seit über zwei Monaten bin ich bereits hier unterwegs und reise immer langsamer, weil ich so viele schöne Orte entdecke und tolle Menschen treffe und so jeder Abschied immer schwerer fällt…

Griechenland: Pramanta Refuge
In den Bergen des Epirus im Norden Griechenlands

Das perfekte Vanlife?

Der Van steht auf der Steilklippe direkt am Meer. Ich liege im Bett, die Türen des Vans stehen offen und ich schaue bei einem Glas Wein dabei zu, wie die Sonne im Meer versinkt… So oder so ähnlich stellen sich vermutlich viele Menschen das Leben im Van vor.

Natürlich ist dies eine Möglichkeit, den Abend zu verbringen. Aber viele Tage oder Abende sind auch ganz schön banal. Bei Regen laufen die Scheiben an und ich bekomme einen kleinen Lagerkoller im Van. Dann sitze ich am Rechner und arbeite, was wiederum dazu führt, dass mein Stromverbrauch steigt. Und bei Regen ist die Solaranlage nicht sehr hilfreich… das sind die Herausforderungen in meinem Alltag.

Dann gibt es wiederum schöne Tage, die ich gar nicht genießen kann, weil ich so viel arbeiten muss. So sitze und schwitze ich im Van und beeile mich mit der Arbeit, damit ich noch vor Sonnenuntergang wenigstens kurz vor die Tür komme.

Oder ich stehe an einem wunderschönen Ort und plötzlich bin ich von einer Herde Kühe umgeben. Denn das ist ihre Weide! Den Hirten stört dies nicht, nur mein Hund ist sehr empört über den überraschenden Besuch in unserem Vorgarten und macht sich lautstark bemerkbar. Ach ja…

Der Hund an meiner Seite

Vandog Marko :-)

Inzwischen reise ich nicht mehr ganz alleine, sondern habe einen tierischen Begleiter dabei. Hund Marko kommt aus Albanien und wurde dort von Freunden von der Straße aufgesammelt. Seit über einem Jahr ist er inzwischen an meiner Seite und ich kann mir ein Leben ohne Marko gar nicht mehr vorstellen!

Schon sehr lange habe ich mir einen Hund gewünscht, aber erst auf meiner Reise im Campervan habe ich gemerkt, jetzt ist der richtige Moment dafür. Denn anstatt in einer kleinen Stadtwohnung lebe ich jetzt die meiste Zeit in der Natur bzw. kann mir schöne Orte aussuchen, damit auch der Hund eine tolle Zeit hat.

Seit ich mit Marko unterwegs bin, bemerke ich eine große Veränderung: ich komme recht schnell mit Leuten in Kontakt. Da ich eher introvertiert bin und nur selten direkt auf Menschen zugehe, hilft mir Marko ungemein dabei, über meinen Schatten zu springen.

Die Reise meines Lebens?

Wie lange werde ich noch im Campervan unterwegs sein? Das ist ein Frage, die mir oft gestellt wird und auf welche ist mal wieder keine Antwort habe. Nie hat mich jemand gefragt „Wie lange willst du noch in Berlin wohnen?“ – auch darauf hätte ich damals keine Antwort gehabt.

Ich lebe im Hier und Jetzt, das Leben passiert um mich herum und genau da möchte ich sein. Was in einem Jahr oder in zwei Wochen sein wird, weiß ich nicht und ich möchte mir auch nicht allzu viele Gedanken darüber machen.

Reisen. Leben. Wachsen. Dies ist die Reise meines Lebens, die solange andauern wird, wie ich lebe. Ob nun im Campervan, im Zelt, auf dem Mars oder im Haus am Meer.

 

2 Kommentare

  • Liebe Mandy,

    ich habe deine Geschichte immer nur am Rande mitbekommen, z.B. durch synke-unterwegs – umso schöner, sie jetzt mal in Gänze und aus deiner Feder zu lesen.
    Ich habe echt Gänsehaut bekommen, als ich das gelesen habe. Zwar träume ich nicht davon, im Campervan herumzuziehen (zumindest momentan nicht), aber andere Aspekte deines Lebens sprechen mich sehr an. Die Flexibilität und das Sein an anderen Orten, so lange es einem dort gefällt. Das tiefere Eintauchen als immer nur die Stippvisite.
    Ich fühle mich (noch?) nicht so mutig wie du und taste mich langsam an das Nomadieren heran, wobei ich meine Base (in good old Friedrichshain, dass du ja auch gut kennen dürftest) doch schon sehr schätze und irgendwie auch beibehalten will.
    Schauen wir mal. Deine Geschichten sind toll, die Bilder atemberaubend und Marko ein großartiger Begleiter an deiner Seite!
    Liebe Grüße,
    Sandra (die mit dem Laufblog und die mit dem Großbritannienblog) :D

    • Vielen Dank für deinen netten Kommentar, Sandra! Das ich mit dem Text eine Gänsehaut auslöse – damit hatte ich nicht gerechnet. :-) Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Ausprobieren des Nomadentums… bin gespannt, wo das bei dir hinführt! ;-)
      Viele Grüße ins schöne Friedrichshain (ein bisschen vermisse ich’s ja schon)!
      Mandy

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