Im Van durch Skandinavien – Fragen & Antworten zum VanLife

Skandinavien Reiseroute

Die Reise durch Skandinavien war der Auftakt in meinen neuen Lebensabschnitt – das Leben im Van. Anfangs war ich ganz aufgeregt und unsicher, wie das alles wohl laufen würde. Werde ich Spaß haben, so alleine im Van durch die Welt zu kutschieren? Wie funktioniert das alles – Übernachten, Kochen, Arbeiten, Frischwasser, Abwasser, Strom, Gas…? Werde ich Berlin, Freunde oder meine Wohnung sehr vermissen?

Nach über drei Monaten im Van, in denen ich durch Schweden, Finnland und Norwegen gereist bin, kann ich eins sagen: es war die beste Idee ever, in den Van umzuziehen! Die letzten Wochen war ich in Deutschland unterwegs und habe Familie & Freunde besucht. Mir wurden viele Fragen gestellt zur Reise durch Skandinavien und allgemein zum Leben im Van. Hier meine Antworten dazu – wenn du noch mehr Fragen hast, immer her damit!

Wo genau warst du unterwegs?

Meine Reise startete in Berlin, und nachdem ich Freunde in Norddeutschland besucht hatte, ging es mit der Fähre nach Schweden. Ein paar Tage verbringe ich in Südschweden – Skanör, Ystad, Kivik… wunderschön! Anschließend hole ich Synke in Malmö ab und wir reisen gemeinsam über Göteborg bis nach Stockholm.

Danach bereise ich noch ein wenig Schweden’s Mitte/Norden (Siljansee, Östersund, Umeå, Uppsala…), bevor es per Fähre von Stockholm auf die Insel Åland geht. Von dort aus geht’s weiter nach Helsinki zum Flow Festival und anschließend durch Finnland gen Norden.

Ein Besuch beim Weihnachtsmann darf nicht fehlen, und die Reise führt mich weiter in den Norden bis ans Nordkap in Norwegen. Von dort aus fahre ich wieder gen Süden, mit Zwischenstops in Hammerfest, Tromsø bis zu den Lofoten. Auf den Lofoten bleibe ich ein paar Tage, gehe wandern und treffe andere Reiseblogger (Gipfelträumer, TakeAnAdvanture)…

Zurück auf dem Festland Norwegens geht es weiter gen Süden bis zum Geirangerfjord, ich steige hoch zum Preikestolen. Von Stavanger aus geht’s dann per Fähre wieder zurück nach Dänemark und Deutschland.

Puh, das war ein ganz schöner Ritt! Insgesamt habe ich in Skandinavien fast 12.000 km zurück gelegt – alles zum Glück unfallfrei! Die engen Straßen, Serpentinen, Tunnel und Brücken in Norwegen haben mich jetzt gut abgehärtet – den Van habe ich inzwischen ganz gut im Griff und ich fühle mich pudelwohl damit!

Wo hast du übernachtet?

Die meiste Zeit habe ich frei gestanden – da wo Platz war und ich niemanden gestört habe. Das ist in Skandinavien ja ziemlich einfach, Platz ist genug da! Anfangs bin ich noch öfter auf Stellplätze gefahren und habe für die Übernachtung bezahlt, bis mir dann recht schnell bewusst wurde – das kann ich so nicht dauerhaft machen, das wird einfach viel zu teuer.

Frei stehen finde ich inzwischen auch viel reizvoller. Die Natur, die Ruhe… und ein kleiner Hauch von Abenteuer liegt dabei immer in der Luft. Auf Campingplätze bin ich nur gefahren, wenn ich mal Wäsche waschen musste, das war ein Mal im Monat angesagt. Ansonsten habe ich diese Plätze meist gemieden.

Sonnenaufgang in Dalsnibba, Norwegen
Sonnenaufgang in Dalsnibba, Norwegen

Auf der Reise habe ich viele schöne Stellplätze entdeckt. Um diese zu finden, verwende ich verschiedene Apps, meistens CamperContact. Dort werden viele Stellplätze / Campingplätze gelistet, inklusive Bewertungen anderer Besucher. In Norwegen bin ich meistens einfach spontan irgendwo stehen geblieben, wo es schön war. Da musste ich nicht lange nach einem richtigen Stellplatz suchen.

Wie bist du an Strom / Wasser gekommen?

Strom habe ich zum Glück immer genug dabei – dank der zwei Ersatzbatterien, die während der Fahrt aufgeladen werden, sowie zwei Solarpanelen auf dem Dach, die für zusätzlichen Strom sorgen. Nur wenn ich auf Campingplätze zum Wäschewaschen war und dort der Strom im Preis inklusive war, habe ich das Auto mal angezapft.

Wasser bekommt man in Skandinavien auf vielen Stellplätzen, auch an Tankstellen oder Servicestationen an der Autobahn. In Finnland war die Versorgung etwas schwieriger, dort gibt es (zumindest weiter im Norden) nicht mehr so viele Möglichkeiten. Ein Campingplatz wollte mir kein Wasser geben, da dies nur für Gäste da sei (und ich wollte dort nicht übernachten). An einer Tankstelle bekam ich zwar Frischwasser, konnte das Abwasser aber nicht entsorgen. Aber irgendwie findet man immer eine Lösung, man muss nur geduldig sein und sich durchfragen. In Norwegen wiederum ist die Wasserver-/-entsorgung gar kein Problem. Die CamperContact App hilft hier auch bei der Suche nach Versorgungsstationen.

Was / wie / wo hast du gegessen?

Aus dem Leben einer VANLIFE Nomadin

Da Ausgehen in allen drei Ländern bekanntlich nicht gerade günstig ist, habe ich die meiste Zeit im Van gekocht. Dort habe ich einen Gasherd und einen Kühlschrank. Frisches Gemüse habe ich im Supermarkt gekauft und dann konnte das Kochvergnügen starten. Ich esse (meistens) vegan, also viel Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte… eigentlich genauso wie ich in meiner Wohnung in Berlin gekocht habe. Nur etwas minimalistischer – alles in einen Topf und fertig.
An meinem Geburtstag in Tromsø bin ich essen gegangen – Pizza, Brownie zum Nachtisch und eine Tasse Tee für über 30€. Das kann man mal machen, aber eben nicht sehr oft.

Die Preise für Lebensmittel fand ich in Schweden und Finnland nicht viel höher als in Deutschland, das war ok. Die Supermärkte sind reich bestückt, nur für Veganer ist die Auswahl (noch) nicht so groß wie in Deutschland. In Norwegen sind die Preise ja allgemein recht hoch, das gilt auch für Lebensmittel. Aber essen muss man ja immer, deshalb kam ich nicht drumherum, mir die teuren Sachen zu kaufen. REMA ist ein guter Supermarkt mit etwas günstigeren Preisen. Für frisches Obst und Gemüse bin ich aber meistens zu Spar o.a. Märkten gefahren, dort war das Angebot an frischen Lebensmitteln größer und sah einfach besser aus.

Wie hat das mit dem Arbeiten unterwegs funktioniert?

Aus dem Leben einer VANLIFE Nomadin
Ich habe mir in allen drei Ländern vor Ort eine Simkarte gekauft mit Datenvolumen. Damit konnte ich von überall aus arbeiten. Funklöcher und Empfangsprobleme wie in vielen Regionen in Deutschland habe ich in Skandinavien fast nie erlebt. Selbst in der Abgeschiedenheit im Norden Norwegens war der Empfang perfekt. Diese Simkarten habe ich verwendet:

  • Schweden: Comviq – 20€ für 10GB. Die Karte gibt’s in den meisten Supermärkten zu kaufen.
  • Finnland: Sonera – 25€ für 31 Tage, ohne Volumen-Begrenzung! Die Karte gibt’s in jedem R-Kioski zu kaufen.
  • Norwegen: myCall – 25€ (220 NOK) für 12 GB. Die Karte gibt’s in vielen Supermärkten, Narvesen Shops etc. Für die Aktivierung muss ein Formular vor Ort ausgefüllt und an den Provider gefaxt werden, die Freischaltung der Karte erfolgt dann innerhalb von 24 Stunden.

Hinzu kommt, dass ich im Van viel konzentrierter arbeiten kann – das hätte ich vorher nicht gedacht. Ich stehe irgendwo in der Natur, habe meist einen schönen Blick aus dem Büro und freue mich, schnell vor die Tür zu kommen um etwas zu unternehmen. Da geht die Arbeit viel schneller von der Hand. Meistens arbeite ich vormittags, nach dem Mittagessen gehe ich raus und unternehme etwas. Und manchmal arbeite ich abends noch etwas, wenn viel zu tun ist und ich noch Energie habe. Das klappt inzwischen ganz gut.

Hast du dich auf der Reise auch mal einsam gefühlt?

Ich kann ganz gut alleine sein, das macht mir nichts aus. Nur meinen Geburtstag in Tromsø hätte ich gerne mit Freunden verbracht, das war schon etwas seltsam so alleine. Aber ansonsten war das Gefühl der Einsamkeit eher selten da. Ich habe unterwegs ja auch Leute getroffen, neue Leute kennen gelernt – wenn auch meist nur flüchtig. Zum Thema alleine Reisen habe ich schon mal einen Beitrag geschrieben: Warum ich gerne allein reise

Warum ich gerne allein reise

Hattest du irgendwo mal Angst, so alleine im Van?

Bisher (*klopf auf Holz*) hatte ich nie wirklich Angst alleine im Van. Nur eine Nacht, die ich in der Nähe von Åhus in Schweden verbracht habe, war etwas seltsam. Ich weiß nicht genau warum, aber dort habe ich mich einfach nicht wohl gefühlt und dann das erste (und bisher letzte) Mal die Sicherheitsschlösser, die innen an Fahrer- und Beifahrertür angebracht sind, mal abgeschlossen. Passiert ist letztlich nichts, es war einfach nur diese mulmige Gefühl.

Vanlife: ist es so wie du es dir vorgestellt hattest?

Es war viel besser! Ich habe mich recht schnell an das Leben im Van gewöhnt – inzwischen finde ich es ganz normal, damit unterwegs zu sein und im Van zu leben. Das ist ja auch total praktisch, immer alles dabei zu haben. Ich freue mich jeden Tag auf neue Eindrücke und das entspannte Reisen (keine Koffer packen, kein zum Flughafen hetzen, kein Schlange stehen…).

Würdest du die Reise noch einmal machen?

Definitiv ja! Ich würde beim nächsten Mal früher (im Frühling losfahren und dann noch viel langsamer reisen). Besonders Norwegen möchte ich gerne noch einmal besuchen und jede Ecke erkunden. Das habe ich bei dieser Reise nicht ganz geschafft. Allgemein würde (und werde) ich viel langsamer reisen, mir mehr Zeit nehmen vor Ort. Bei der Reise durch Skandinavien war ich oftmals zu ungeduldig und dachte ich würde etwas verpassen, wenn ich nicht spätestens nach zwei Tagen weiter zum nächsten Ort fahren würde. Inzwischen weiß ich: man verpasst nix, und langsam reisen ist viel angenehmer!

Hast du noch mehr Fragen zum meinem Leben on the Road? Dann immer her damit!

Morgen geht meine Reise weiter in die Schweiz; am Donnerstag werde ich dann in  Bern beim Caravan Salon einen Vortrag über mein Leben im Van halten. Und danach fahre ich immer der Sonne entgegen – bis nach Portugal!

9 Kommentare

  • Hey ho,
    Ich liebe diesen Artikel! Ich selbst bin gerade seit 5 Monaten in meinem Bus unterwegs, nur weiter unten – die balkantour! Es ist ebenso meine erste Tour und ich liebe es, die Freiheit und das Abenteuer jeden Tag aufs neue! Vielen Dank für deine Eindrücke und Informationen, ich habe die Skandinavien Tour ja nächstes Jahr vor mir…
    Danke!
    LG
    Mogli

  • Hach, deine Route war und ist wirklich ein Traum! Ich freue mich schon auf viele weitere Trips und Fotos und Berichte in den nächsten Monaten. Und vielleicht sehen wir uns dann wieder irgendwo spontan! :D Mandy, viel Spaß noch weiterhin auf deiner Tour!!!

    Lieben Gruß
    Elisa

  • Hallo Mandy,
    bin über Facebook auf Deinen Blog gestossen und lese begeistert :-) Toll was Du machst und wie Du es beschreibst hier. Ich war dieses Jahr 4 Wochen alleine unterwegs in Norwegen mit meinem Kombi-PKW den ich als Mini-Camper nutze. Eine tolle Erfahrung. Ich habe das Leben im Auto auch sehr genossen und denke öfter nach ob ich nicht auch in einem Wohnmobil glücklicher zu Hause wäre. Deine Geschichten machen mir da noch mehr Lust drauf. Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    • Danke für die netten Worte, Jürgen!
      Sag Bescheid, wenn’s mal wieder im WoMo los geht – vllt. fahren wir uns ja irgendwo über’n Weg. ;-)

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