Wanderung zur Kvalvika Bucht – bitte nicht nachmachen!

Wanderung zur Kvalvika Beach, Norwegen

Also nicht dass wir uns missverstehen – die Kvalvika Bucht ist definitiv einen Besuch wert! Auch die Wanderung dorthin ist kein Ding der Unmöglichkeit. Nur bitte macht es nicht so, wie ich… nämlich unvorbereitet. Aber alles der Reihe nach.

Wo ist Kvalvika?

Kvalvika ist eine Bucht an der nordöstlichen Seite des Berges Moskenesøya, in der Gemeinde Flakstad  auf den Lofoten. Zu erreichen ist diese Bucht nur zu Fuß (oder über’s Wasser). Die Bucht von Kvalvika ist nicht nur wegen ihrer Schönheit und Abgeschiedenheit so beliebt. Mir ist dieser Ort das erste Mal in einer verrückten Doku aufgefallen. Bei North of the sun wird das Leben zweier Norweger gezeigt, die neun Monate lang in dieser abgelegenen Bucht leben – im Winter! Und dieser Ort war Kvalvika Beach. Im Nachhinein dachte ich: na ja, sooo abgelegen von der Außenwelt ist diese Bucht nun auch nicht, wie es der Film suggeriert. Aber ich habe dennoch höchsten Respekt vor diesem Abenteuer! Hier gibt’s den Trailer:

Meine planlose Wanderung

Im Nachhinein muss ich über mich selber lachen, aber bei der Wanderung hatte ich teilweise schon etwas Bammel und fragte mich des öfteren „WTF mache ich hier eigentlich??“. Warum das ganze? Ich war total unvorbereitet an die Sache herangegangen – ich wusste weder wie weit, noch wie schwierig der Weg bis zur Bucht ist. Außerdem erfahre ich erst am Strand von Kvalvika, dass es mehrere Wanderrouten gibt…

So sieht meine Version der Wanderroute nach Kvalvika aus:


Vom Parkplatz (A), der direkt am Start des Wanderwegs liegt, geht das Abenteuer los.

Meine Vorstellung war, mal eben gemütlich über diesen Hügel rüber zur Bucht zu laufen. Der Haken: der Hügel ist doch etwas größer als ich dachte (laut Karte über 240 Höhenmeter). Und der Wanderweg kann keineswegs gemütlich belaufen werden. Vielmehr muss ich über Stock und Stein kraxeln, klettern, balancieren… Das ist ziemlich anstrengend für mich untrainierte Hobby-Wandertante, aber durchaus machbar.

Wanderung zur Kvalvika Beach, Norwegen

Oben angekommen, wird die erste Anstrengung mit einem beeindruckenden Blick auf die Kvalvika Bucht belohnt.

Kvalvika auf den Lofoten, Norwegen

Beim Weg nach unten in die Bucht genieße ich den Ausblick, halte oftmals inne um Fotos zu machen und einfach den Moment zu genießen. Herrlich!

Unten angekommen, sehe ich noch vereinzelt ein paar Leute am Strand entlang laufen. Zwei Zelte stehen auf der Wiese. Ich bin auf der Suche nach der Hütte, die die beiden Surfer aus der Doku bewohnt haben und die es immer noch gibt. Da ich sie nicht finden kann, frage ich einen der Camper, der gerade dabei ist Holz für ein Lagerfeuer zu sammeln. Leider ist er total davon überzeugt, dass diese Hütte nicht an diesem Strand, sondern auf der anderen Seite der Bucht zu finden sein muss. Dies stellt sich im Nachhinein als falsch heraus.

Die Gipfelträumer waren ein paar Tage zuvor am Kvalvika Beach und haben die Hütte tatsächlich gefunden. Zu den Fotos.

Kvalvika Beach, Norwegen

Nachdem ich nun auf die andere Seite der Bucht gelaufen bin und auch dort nichts finden kann außer drei Schafen, die mich sehr skeptisch beäugen und mir eine zeitlang hinterherlaufen, gebe ich’s auf. Denn es wird langsam spät und ich will mich auf den Rückweg machen.

Kvalvika Beach, Norwegen

Auf dem Hinweg habe ich mir sehr viel Zeit gelassen, habe öfters angehalten um Fotos zu machen und zu verschnaufen. Der Herr, der mir den falschen Tipp mit der Hütte gab, hatte mich außerdem darauf hingewiesen, dass es von der anderen Seite der Bucht einen Wanderweg zurück zur Straße gibt.

In meiner Naivität denke ich nur: super, dann muss ich nicht den gleichen Weg zurück laufen (das ist ja langweilig), sondern sehe noch etwas neues! Also mache ich mich nach etwas Innehalten am Strand wieder auf den Rückweg – entlang der zweiten Wanderroute. Dieser Weg fühlt sich anfangs leichter an, weil es nicht so steil nach oben geht. Das einzige Problem: ich bin mir zeitweise gar nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Die Kennzeichnung des Wanderweges ist nur ein roter Punkt, der hier und da mal an einem Stein gesprüht ist.

Zwischendrin muss ich wieder über Steine klettern, matschigen Sumpf durchqueren… und das ganze nimmt kein Ende! Außerdem ist kein Mensch mehr weit und breit zu sehen. Ich bin alleine irgendwo zwischen Einsamkeit und Zivilisation unterwegs und habe überhaupt keine Ahnung wo ich hinlaufe und vor allem, wie lange ich brauche um wieder zurück zur Straße zu  gelangen. Das macht mir zwischendrin doch etwas Sorgen…

Aber das Adrenalin trägt mich irgendwie weiter. Selbst, als ich mit dem rechten Fuß falsch auftrete und umknicke. Der Schmerz ist schnell weg und ich laufe weiter, springe über Pfützen, balanciere über Holzbretter, klettere über Steine und Felsen, halte mich ans Ästen fest, um nicht komplett im Matsch zu versinken (was mir nicht immer gelingt – meine Wanderschuhe sind am Ende komplett vermatscht).

Letztlich komme ich kurz vor 20 Uhr ziemlich erleichtert am Ende des Wanderweges an. Ich bin fix und fertig, denn der Weg war wirklich lang und anstrengend. Dann stelle ich mit Erschrecken fest, dass ich jetzt noch ca. 50 min bis zurück zum Van laufen müsste. Denn ich hatte ja schlauerweise einen anderen Weg zurück gewählt, der eben nicht am gleichen Ausgangspunkt wieder ankommt, sondern etwas weiter südlich.

Zum Glück steht genau am Ausgang des Wanderweges ein Wohnmobil – spontan frage ich den Fahrer (ein Deutscher…), ob er mir einen riesen Gefallen tun würde und mich kurz zu meinem Auto fahren könnte. Ich bin so erleichtert, als er zustimmt! Gemütlich fahren wir den See entlang und unterhalten uns angeregt über die Wanderung, die die beiden aus Frankfurt ebenfalls hinter sich hatten.

Zurück am Van muss ich erst mal die matschigen Wanderschuhe und Hosen wechseln, bevor ich mich wieder auf den Weg mache zum vereinbarten Stellplatz, wo die Elisa von Take an AdVANture und die Gipfelträumer auf mich warten. Beim gemütlichen Beisammensitzen in meinem Wohnzimmer merke ich langsam, wie mein Fuß, mit dem ich bei der Wanderung umgeknickt war, plötzlich anfängt anzuschwellen und heftig zu schmerzen. Das war wohl der Moment, als das Adrenalin wieder nachließ. So endet mein Tag etwas schmerzhaft im Bett – mit einer Tüte tiefgefrorenem Spinat am Fuß. Am nächsten Tag ist dann alles wieder gut. Aber dann fing der Muskelkater erst so richtig an, der ca. drei Tage anhielt.

Jetzt bin ich zumindest schlauer als vorher und um eine Erfahrung reicher. Und die Bilder & Erinnerung waren die Strapazen allemal wert!

 

Wandern nach Kvalvika Beach – besser machen!

Wenn du mal auf den Lofoten unterwegs bist, empfehle ich unbedingt die Wanderung nach Kvalvika Beach! Trotz meiner etwas übermütigen und verplanten Tour bin ich froh, dass ich dort war. Mit etwas mehr Ruhe und Planung kann das ein schöner Tagesausflug sein. Dennoch ist der Weg nicht zu unterschätzen. Vor allem ist es sehr sehr matschig, wenn es geregnet hat, das erschwert die Wanderung zusätzlich.

Also, meine Erkenntnis nach dieser Wanderung: Wandere nicht planlos drauf los. Informiere dich vorab über die Wanderroute, das Wetter, die Bedingungen unterwegs. Dann macht’s auch noch mehr Spaß!

Für noch mehr Tipps habe ich ein paar Artikel gesammelt mit Informationen zur Wanderung:

Warst du schon mal auf den Lofoten oder gar in der Kvalvika Bucht? Hast du noch mehr Tipps?

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