4 Jahre Vanlife – eure Fragen, meine Antworten

4 Jahre Vanlife

Ja, es sind genau vier Jahre, in denen ich schon in meinem Van lebe und durch Europa reise. Verrückt, wer hätte das gedacht? Na ich! :-) Tatsächlich kann ich mir derzeit ein Leben in einer Wohnung oder in einem Haus nicht vorstellen. Das Leben im Van ist meine Normalität, mit seinen ganzen Vor- und Nachteilen.

Hier kommt ein kleines Fazit aus 4 Jahren Vanlife, ein paar Einblicke „hinter die Kulissen“ und vielleicht auch ein bisschen Zukunftsträumerei…


Zuerst mal ein paar harte Fakten:

  • gefahrene Kilometer: über 54.000
  • kassierte Strafzettel: 1 (Frankreich, 1 km/h drüber…)
  • Schrammen im Lack und an den Fenstern: 1.034 (ungefähr, ich zähle nicht mehr mit)
  • besuchte Länder: 6 (Schweden, Finnland, Norwegen, Spanien, Portugal, Griechenland)
  • Autowäschen: 3 (vielleicht waren’s auch nur 2, ich kann mich nicht erinnern)
  • Dinge, die ich kaputt gemacht habe:
    – Seitenspiegel abgefahren (direkt bei der ersten Fahrt)
    – Trittstufe zerstört
    – das „Leder“ der Sitzbezüge – dank Dauernutzung fängt es an zu reißen
  • Dinge, die Marko zerstört hat:
    – ein Verdunklungsrollo & Fliegengitter beim Ausbruch aus dem Van
    – die Fliegengittertür (einfach durchgerannt)
    – die Seitenlehne des Beifahrersitzes (verbogen)

Wie hat sich mein Reisen in dieser Zeit verändert? Was ist mit dem Van – passt der immer noch zu mir? Was ist kaputt? Was fehlt? Warum ist Stillstand auch im Vanlife wichtig für mich? Und wie hat Marko durch das hintere Fenster bei geschlossenem Fliegengitter gepasst, ohne etwas zu zerstören?

Diesen und noch mehr Fragen gehe ich heute auf den Grund. Falls dir noch eine weitere Frage unter den Nägeln brennt – schreib‘ einen Kommentar!

Also, zuerst die wichtigste Frage von eben, die euch sicher alle brennend interessiert: Wie hat es Marko durch das hintere Fenster bei geschlossenem Fliegengitter geschafft, ohne etwas zu zerstören?

Die enttäuschende Antwort: ich habe wirklich keine Ahnung!

4 Jahre Vanlife - eure Fragen, meine Antworten

Was ist passiert? Es ist abends in Nordgriechenland am Prespasee. Zusammen mit den Nachbarn wollen wir ins Dorf etwas essen gehen. Marko lasse ich im Van, um mir unnötigen Stress mit den dort zahlreich herumlaufenden Katzen zu ersparen. Da es noch etwas warm ist, lasse ich ein paar der Fenster angekippt.

Wir laufen los und keine zwei Minuten später kommt ein freudestrahlender Marko hinter uns hergerannt… ähm. Ja, er hat sich irgendwie durch das Fenster hinten an der Hecktür gequetscht, bei geschlossenem Fliegengitter. Und es ist nichts kaputt!

Beweisspuren in Form von Kratzern am Lack vom „Absprung“ sind da, mehr nicht. Es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben, wie Mister Körperklaus Marko dieses Kunststück vollbracht hat!

Ein paar Monate zuvor ist er durch das Fenster der Schiebetür nach draußen gehüpft und hat dabei alles zerstört – Fliegengitter und das Verdunklungsrollo… mehr davon gibt’s in der Vanlife Pannenshow nachzulesen.

Vanlife Pannenshow
Markos grobmotorischer Ausbruch aus dem Van…

Nun weiter mit den wirklich spannenden Fragen:

Wie hat sich das Reisen während der 4 Jahre verändert?

Am Anfang sah mein Leben im Van ungefähr so aus: jeden Morgen wache ich mit einem dicken Grinsen im Gesicht auf und überlege, wo ich als nächstes hinfahre… schließlich gibt’s so viel zu entdecken!

Ich durchquere Schweden, Finnland & Norwegen innerhalb von knapp drei Monaten. Heute würde ich nach drei Monaten vermutlich immer noch irgendwo in Südschweden festhängen.

Außerdem bin ich inzwischen viel entspannter unterwegs und reise aufmerksam durch die Gegend bei der Stellplatzsuche. Ja, ich stehe meistens frei in der Natur, auch wenn das offiziell nicht erlaubt ist. Hier in Griechenland ist dies überhaupt kein Problem in den meisten Regionen.

Also rückblickend betrachtet bin ich inzwischen langsamer, entspannter und irgendwie „unaufgeregter“ unterwegs. Das Leben im Van ist meine „Normalität“ geworden. Und ich genieße das total!

Sonnenaufgang in Dalsnibba, Norwegen
Vanlife in Norwegen

Bist du noch zufrieden mit deinem Van?

Definitiv ja! Abgesehen von kleinen Macken, die ich größtenteils selbst verschuldet habe, hat mich das Töff bisher noch nicht im Stich gelassen.

Obwohl, ein kleiner „Aussetzer“ war da: Kürzlich war ein Relay am Anlasser defekt, so dass das Töff manchmal erst nach 10 Versuchen und viel Geduld ansprang. Das war spooky und ich habe mich nicht mehr getraut, allzu weit in die „Pampa“ zu fahren – denn wenn der Van gar nicht mehr anspringt, muss mich ja jemand da rausholen.

In der ersten Werkstatt hieß es „Das ist ganz normal. Ruf an, wenn das noch mal passiert.“ Ähm, ok… nein, normal ist das nicht. In der nächsten Werkstatt war man dann etwas kompetenter und der Mechaniker hat den Fehler schnell gefunden und behoben. Was es genau war, weiß ich nicht… irgendein Relay am Anlasser, dass nicht mehr korrekt funktionierte. Nun bin ich 100€ ärmer aber wieder entspannter unterwegs.

Ansonsten bin ich immer noch sehr glücklich mit dem Auto. Er passt zu mir, hat die ideale Größe, alles drin was ich brauche…

Nur das mit der Solaranlage und den Batterien muss ich demnächst mal angehen. Eigentlich wollte ich diesen Sommer in Deutschland verbringen und dann auch eine neue Solaranlage und neue Batterien einbauen lassen. Aber Corona kam mir in die Quere und deshalb bleibe ich erst mal in Griechenland und verschiebe das Vorhaben auf nächstes Jahr.

Die zwei Aufbaubatterien sind inzwischen echt nicht mehr so dolle. Außerdem habe ich nur 110 Wp auf’m Dach, das ist nicht wirklich viel, vor allem wenn ich arbeite und dazu noch schlechtes Wetter ist. Da muss definitiv mehr her. Zum Glück habe ich noch ein flexibles Faltmodul dabei, das bis zu 180 Wp schafft. Das rettet mich ein wenig durch schlechte Zeiten.


Warum reist du so laaangsam?

Langsam reisen ist mein Modus – spätestens seit mein Beifahrer Marko Polo mit an Board ist, geht’s einfach langsamer voran. Ich mag gerne länger an einem Ort bleiben, brauche Zeit dort „anzukommen“, mich wohl zu fühlen.

Außerdem arbeite ich viel und brauche dafür eben auch Zeit und Ruhe. Das geht nicht, wenn ich jeden Tag weiterfahren würde.

Jeden Tag unterwegs sein mag ich inzwischen nicht mehr. Ich bin unheimlich gerne einfach länger an einem schönen Platz. Zusammen mit Marko erkunden wir dann Stück für Stück die Gegend, finden schöne Plätze, treffen nette Nachbarn… meistens bleibe ich mindestens 4-5 Tage an einem Platz, wenn’s schön ist gerne länger.

Dieses Zusammenpacken und Weiterfahren hat auch seinen Reiz, das macht mir immer noch Spaß, wieder neue Gegenden zu erkunden. Nur eben nicht mehr jeden Tag oder jede Woche. Gerne fahre ich auch an bekannte Orte zurück, die ich schon mal besucht und in guter Erinnerung hatte. Das Gefühl, sich bereits auszukennen ist auch gut, immer die Aufregung, neue Orte zu erkunden, ist auf Dauer einfach anstrengend und brauche ich nicht dauerhaft.

Corona hat bei mir ja zu einem fast zweimonatigen Stillstand geführt – mehr dazu hier und hier. Und weißt du was? Ich fand’s super. Es hat mich überhaupt nicht gestört, nicht weiterfahren zu dürfen. Also abgesehen von dem blöden Virus und der Situation in der Welt und überhaupt, ging es mir verdammt gut damit, an einem schönen Strand zu stehen zusammen mit anderen netten Menschen und das ganze einfach „auszusitzen“.

Praktische Vorteile des „Stillstands“: die Ausgaben für Diesel sinken enorm, ich habe mehr Zeit zum Arbeiten, Griechisch lernen, Marko knuddeln…

Camping Corona
Stillstand für fast 2 Monate im „Camping Corona“

Ist das Alleinreisen auf Dauer nicht langweilig?

Keineswegs! Es gibt schon Momente, in denen ich mir einen Gesprächspartner wünschen würde oder jemanden, der etwas mit uns zusammen unternimmt. Aber das stört mich nicht allzu sehr. Ich genieße es, alleine unterwegs zu sein und freue mich genauso, wenn ich dann mal neue Leute treffe und wir ein paar Tage gemeinsam verbringen. Wirklich einsam fühle ich mich nicht.

Passend zum Thema Alleinreisen: ich habe da ein Buch geschrieben – über das Alleinreisen als Frau (übrigens nicht nur für Frauen interessant). :-)

Van Girls
Mehr dazu unter vangirls.de

Findet Marko das Reisen im Van auch so toll?

Ich kann zwar keine Gedanken lesen beim Hund, aber ich denke er ist einfach da glücklich und zufrieden wo ich auch bin, wo sein Futter steht und sein Bettchen auf ihn wartet.

Seit fast drei Jahren ist Marko mit an Board und inzwischen kenne ich seine Vorlieben und Macken ganz gut und passe meinen Reisestil ein wenig an. So übernachte ich zum Beispiel nicht mehr mitten in der Stadt sondern lieber in der Natur.

Er könnte gerne ein bisschen entspannter sein generell, aber das müssen wir wohl einfach noch ein bisschen üben. Marko tut gern prollig, ist aber tendenziell eher unsicher bei allem. Menschen findet er alle toll, solange sie keinen Stock in der Hand haben und alt und männlich sind… Katzen sind seine Todfeinde und andere Hunde findet er manchmal cool (meistens Mädels), manchmal aber auch richtig doof (meistens andere prollige Rüden).

Es wird also weder Marko noch mir langweilig unterwegs.

Marko beim Chillen
Marko Polo, der Vandog

Wann kommst du mal wieder nach Deutschland?

Das ist eine gute Frage! Eigentlich war geplant, dieses Jahr den Sommer in Deutschland zu verbringen, Freunde und Familie besuchen, ein paar Dinge am Van schrauben (lassen), zum TÜV und so Kram… aber dann kam Corona. Also habe ich diesen Plan auf 2021 verschoben.

Eigentlich zieht es mich nicht so dringend nach Deutschland. Abgesehen von der aktuellen Situation, bin ich bisher bei jedem Besuch gestresst und war froh, sobald es wieder los ging… ich weiß auch nicht, ich mag diese generelle Hektik einfach nicht mehr. Alles muss funktionieren, schnell schnell und billig und alles muss immer und überall verfügbar sein. Furchtbar. Das brauche ich einfach nicht.

Aber zum Glück gibt’s ja auch in Deutschland noch schöne Ecken, an denen auch ich mich wohl fühle (die sind meistens sehr ländlich und meistens leider ohne viel Internetempfang – ein weiterer Grund, warum ich mich nicht gerne lange in Deutschland aufhalte).

Anyways, nächstes Jahr steht ein Besuch in der Heimat auf dem Plan – wenn nicht wieder irgendwas dazwischen kommt!


Was vermisst du am meisten unterwegs?

Hmm, schwierig. So spontan fällt mir gar nix ein, was ich wirklich dringend vermisse. Zumindest materielle Sachen vermisse ich gar nicht, schließlich habe ich alles dabei was ich brauche.

Dieses „mal eben flink online bestellen“ von Sachen, die man meint unbedingt zu brauchen, habe ich anfangs schon vermisst. Inzwischen finde ich es so viel besser, eben nicht immer alles verfügbar zu haben. Das schont den Geldbeutel und die Nerven. Natürlich gibt es Momente, wo es nervt, aber die halten sich in Grenzen. Und über Umwege ist es ja auch möglich, sich Sachen per Paket zuschicken zu lassen.

Was ich manchmal tatsächlich vermisse ist der direkte Kontakt zu Freunden und Familie. Sich einfach mal spontan auf ein Bierchen treffen, zusammen wandern gehen oder auf ein Konzert. Ja, das fehlt ein bisschen.

Bin ich früher noch gefühlt mindestens ein Mal im Monat auf ein Konzert gegangen (in Berlin war ja immer was los), ist das derzeit quasi gar nicht auf dem Plan. Letztes Jahr bin ich recht spontan nach Deutschland geflogen und mit einer Freundin zum Hurricane Festival gegangen – das war grandios und hat mir wieder gezeigt, dass ich das wieder öfter machen möchte. Eigentlich war das Festival auch für dieses Jahr wieder geplant, aber ihr wisst ja was los ist… dann halt nächstes Jahr.

Hurricane Festival 2019
Erinnerungen ans Hurrican Festival 2019

Funktioniert das Reisen & Arbeiten unterwegs?

Wenn ich auf meine jährlichen Umsätze schaue, müsste ich sagen: es wird immer schlechter, die Zahlen gehen stetig bergab. Das liegt jedoch daran, dass ich viel weniger arbeite als vorher, einfach weil meine laufenden Kosten geringer sind als vorher.

Abgesehen davon klappt das Arbeiten von unterwegs ganz wunderbar. Derzeit ist es etwas ruhiger, vermutlich auch aufgrund der Corona-Krise. Aber ich habe mir immer etwas Puffer zur Seite gelegt, damit komme ich auch mal ein paar Monate ohne viel Einkommen aus.

Mehr zum Thema kannst du hier nachlesen: Vanlife Digital: Arbeiten unterwegs – wie geht das?


Wie lange willst du das noch machen?

Eine sehr oft gestellte Frage. Und ihc habe keine Antwort darauf. Sorry. :-) Wenn ich mal beschließe, nicht mehr im Van durch die Welt zu reisen, sage ich rechtzeitig Bescheid, ok?

Solange düsen (bzw. zuckeln) wir weiter durch die Landschaft. Ich freue mich, dass ich dieses Leben für mich so einrichten konnte und dass alles so gut funktioniert. Mal sehen, was die Zukunft so bringt…

Hast du noch mehr Fragen an mich? Dann schreib’s in die Kommentare!

4 Jahre Vanlife - FAQ
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7 Kommentare

  • Hey Ihr 2! Freue mich immer über jeden Beitrag – schön zu lesen, dass Dich das VL immer noch begeistert… Ich bin seit 3 Monaten beruflich die halbe Woche und dazwischen auch mal 14 Tage im Van und genieße es sehr. Mich erstaunt, wie schnell das Normalität wird – aber wie Du schreibst, diese Normalität ist genießbar – und der Vorteil schnell weg zu können, wenn es notwendig werden sollte, ist einfach Klasse. Wohnung mit Lenkrad halt! Haut rein, genießt den Sommer und passt auf Euch auf!! LG Markus

    • Danke für deinen netten Kommentar, Markus! Wohnung mit Lenkrad ist auch eine tolle Umschreibung. ;-)
      Ich wünsche dir auch einen schönen Sommer!
      Viele Grüße aus Griechenland!
      Mandy

  • Was für ein inspirierender, wunderschöner Artikel! Ich kannte deinen Blog schon, aber hatte bisher nur einzelne Artikel überflogen. Das wird sich nun ändern. Liiiebe deine Einstellungen und deinen Lifestyle (der hoffentlich auch bald unserer ist 😍).

    Liebe Grüße
    Sina

    • Danke für das Lob, Sina! Das freut mich, dass ich euch ein bisschen inspirieren kann für euren Weg ins Leben auf Rädern! ;-)

      Liebe Grüße,
      Mandy

  • Hey Mandy,
    wie die Zeit vergeht! Erinnerst du dich noch an unseren gemeinsamen Kaffee in Lissabon, damals noch ohne Marco? Und klasse, dass du immer noch unterwegs bist. Wir leben inzwischen (glücklicherweise muss man sagen) in Arzon / Bretagne, direkt am Meer. Dank Covid baue ich gerade meinen Mercedes Vito ein bißchen aus und plane – auch dank deiner Berichterstattung – Anfang nächsten Jahres für 1-2 Monate erstmalig nach Griechenland zu kommen. Werde dann sicherlich wegen Tips nochmal auf dich zukommen ;)

    Liebe Grüsse
    Axel

    • Hallo Axel!
      Na klar erinnere ich mich – das war ja noch ganz am Anfang meines Streunerlebens. ;-) Schön von dir zu lesen! Und melde dich auf jeden Fall, wenn die Reise nach Griechenland los geht – vielleicht bin ich dann ja noch immer hier unterwegs… wer weiß? :-)

      Liebe Grüße!
      Mandy

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