Gedanken zum Reisen: Du reist so viel, wie machst du das?

Collect Moments not Things

Ich habe mal nachgezählt – letztes Jahr war ich insgesamt über 60 Tage lang auf Reisen, dabei u.a. in Israel, Amsterdam, Newcastle, Usedom, Nordkorea, London und Fuerteventura. Oft fragen mich Freunde oder Bekannte, wie ich es denn bitteschön anstelle, so oft zu verreisen. Wie kannst du dir das denn leisten? Wie viele Urlaubstage hast du denn im Jahr? Wie machst du das?

Um diesen Fragen mal ausführlicher auf den Grund zu gehen, will ich dir hier einen kleinen Einblick geben, wie ich „lebe um zu reisen“, wie ich das Geld dafür aufbringe und wieso ich einfach nicht damit aufhören kann & will.

Was mich antreibt

Reisen ist meine große Leidenschaft. Ich liebe es einfach, neue Länder zu erkunden, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Neue Geschmäcker und Gerüche, Lebensweisen und Philosophien. Ich kann einfach nicht still sitzen, meine Neugierde treibt mich an und je mehr ich von der Welt sehe, umso neugieriger werde ich auf den Rest der Welt, den ich noch nicht erkundet habe.

Zeit für’s Reisen

„Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“

Ernst Ferstl

Die meisten Menschen haben eine Festanstellung, bekommen regelmäßig ihr wohlverdientes Gehalt ausgezahlt und freuen sich, ihre 30 Urlaubstage im Jahr sinnvoll zu verbringen, Brückentage auszunutzen und so möglichst viele freie Tage genießen zu können.

Bei mir sieht das etwas anders aus. Ich bin seit vier Jahren selbständig, arbeite als Freelancer für Webdesign und Online Marketing Projekte (siehe cucuza.de). Dies bedeutet, dass ich weder ein regelmäßiges Einkommen habe, noch stehen mir feste Urlaubstage zu. Darum muss ich mich schon selbst kümmern – und das klappt ganz gut.

Ich behaupte von mir, ein fleißiger Mensch zu sein, meine Arbeit macht mir obendrein auch noch Spaß (die meiste Zeit zumindest). Dennoch ist es mir wichtig, neben der Arbeit genügend Freizeit und Erholung zu finden. Ich könnte bestimmt noch mehr arbeiten und noch mehr Geld verdienen, aber das will ich gar nicht. Ich will mich nicht 250 Tage im Jahr abrackern und abends todmüde ins Bett fallen, nur um die restlichen Tage im Jahr dann damit zu verbringen, mich von der anstrengenden Arbeit zu erholen. Es muss ein gesundes Gleichgewicht herrschen zwischen Arbeit und Freizeit, nur so kann ich mich auf anstehende Reisen freuen und sie auch ganz bewusst genießen.

Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.

Georg Christoph Lichtenberg

Wenn ich meine Reisen plane, muss ich dafür sorgen, dass ich vorher genug gearbeitet habe, um mir eine Pause gönnen zu können. Schließlich bekomme ich als Freelancer kein Urlaubsgeld und werde während meiner freien Tage auch nicht bezahlt. Der Vorteil der Selbständigkeit ist dabei, dass ich keine festgelegten Urlaubstage habe. Niemand schreibt mir vor, wann und wie viele Tage Urlaub ich nehmen darf.

Bei manchen Reisen entscheide ich mich bewusst, meinen Computer mitzunehmen, um auch von unterwegs arbeiten zu können. Viele finden das ganz schrecklich. Aber da mir meine Arbeit Spaß macht (meistens zumindest ;-), habe ich kein Problem damit, auch mal im Urlaub ein paar Stunden am Rechner zu arbeiten. Die Flexibilität meines Jobs macht es möglich, dass ich reisen kann sooft es mir möglich ist. Ich muss es mir nur leisten können, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Wie ich Geld für meine Reisen spare

Mein Einkommen als Freelancer schwankt natürlich je nach Auftragslage. Damit muss man sich als Selbständiger anfreunden. Es bedarf ein wenig Planung, um dieses Risiko zu minimieren, also um auch schlechtere Zeiten gut überstehen zu können. Damit ich genügend Zeit und Geld für meine Reisen habe, lebe ich eher bescheiden und auf kleinem Fuß. Stichwort: Minimalismus.

Ich brauche nicht viel zum glücklich sein. Ein wichtiger Punkt hierbei ist: Dankbarkeit. Oftmals ist uns gar nicht bewusst, wie gut es uns eigentlich geht. Wir meckern ja sehr gerne. Wenn ich mir aber bewusst mache, dass ich eigentlich alles habe, was ich brauche um zufrieden leben zu können, sieht die Welt gleich viel besser aus. Ich ärgere mich nicht über Dinge, die ich nicht habe – vielmehr erfreue ich mich an den Dingen, die ich habe. Und wenn ich mir dann meine Wohnung anschaue, stelle ich immer noch fest: eigentlich habe ich viel zu viele Sachen.

Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.

Jean-Jacques Rousseau

Kaufe keine unnötigen Sachen. Ok, ich gebe zu – ich bin nicht perfekt. Bei Techie-Kram werde ich manchmal schwach. Aber generell bin ich überhaupt kein Shopping-Fan. Ich hasse es z.B. Schuhe oder Klamotten zu kaufen – nicht sehr typisch für eine Frau, ich weiß. Ich renne keinem Trend hinterher, muss meinen Kleiderschrank also nicht jedes Jahr updaten. Das spart viel Geld, Zeit und vor allem Ressourcen. Denn auch der Umwelt-Aspekt spielt für mich eine große Rolle.

Lebe bewusst. Wir leben seit Jahren im Überfluss, alles ist immer und überall verfügbar. Es kostet nur Geld. Über die Notwendigkeit oder den Ressourcenverbrauch machen sich die wenigsten Leute Gedanken. Ein bewussteres Konsumverhalten führt automatisch dazu, weniger Geld auszugeben, weniger unnötige Dinge zu besitzen und mehr Zeit und Budget für’s Reisen zur Verfügung zu haben.

Manchmal passiert es mir, dass ich etwas sehe was mir gefällt – Dinge, von denen ich bis dahin gar nicht wusste, dass ich sie haben möchte. Ich widerstehe dann aber dem Kaufimpuls und überlege mir, warum ich dieses Teil denn unbedingt haben will und vor allem, ob ich es wirklich benötige. Meistens schlafe ich eine Nacht darüber und am nächsten Tag relativieren sich die Kaufgelüste schon wieder. Klar macht es Spaß, sich etwas zu gönnen. Das tue ich auch ab und an, aber eben bewusst und nicht durch einen Kaufimpuls gesteuert.

Qualität statt billig. Beim Kauf von Kleidung oder technischen Geräten etc. achte ich auf die Qualität. Lieber gebe ich ein paar Euros mehr aus für ein hochwertiges Produkt, das dann bestenfalls eine längere Lebensdauer hat, als dass ich billiges Zeug kaufe und dies nach kurzer Zeit schon wieder ersetzen muss.

Ich denke, das sind alles Punkte, die viele von uns berücksichtigen. Nur bin ich da vielleicht ein klein wenig konsequenter und strenger mit mir selbst. Und diese Lebensweise erlaubt es mir, Geld zu sparen und fürs Reisen auszugeben. Aber…

Geld ist nicht alles

Um die Welt bereisen zu können, benötigt man schon ein gewisses Budget, das ist klar. Aber das ist nicht alles bzw. noch lange nicht genug. Mit Geld kann ich mir vielleicht vieles leisten, aber auch mit einem knappen Budget lässt es sich gut reisen.

Viel wichtiger ist es doch, bewusst zu reisen (zu leben!), den Moment zu genießen. Lieber schlafe ich im Zelt unterm Sternenhimmel, als mein Geld in einem Luxushotel (mit künstlichem Sternenhimmel) zu lassen. Jeder hat da natürlich seine Vorlieben, aber mir ist wichtig die Reise in vollen Zügen genießen zu können, auch mit wenig Geld. Und manchmal macht genau diese Herausforderung den Trip zu etwas ganz besonderem. Mit einem geringen Reisebudget muss man unterwegs zwangsläufig kreativ werden und Kompromisse eingehen. Genau da können uns die spannendsten Momente erwarten.

Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 Jahren zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.

George Bernard Shaw

Jetzt wisst ihr, was in meinem Kopf und in meinem Leben so vor sich geht und wie ich mir das viele Reisen erlauben kann. Jeder hat natürlich andere Prioritäten, ich will hiermit nicht sagen, dass mein Weg der einzig wahre ist. Aber für mich ist es genau richtig, da Reisen meine große Leidenschaft ist.

Ich denke, der Spruch im Titelbild bringt meinen Ansatz sehr gut auf den Punkt: Don’t collect things, collect moments.

Die schönen Momente (auf Reisen oder zuhause) zu genießen, sich daran zu erfreuen und sich auch noch Jahre später daran zu erinnern mit einem Grinsen im Gesicht, das ist mehr wert als die Ansammlung von Dingen, die unser Leben oftmals eher belasten als bereichern.

Wie denkst du darüber?

10 Kommentare

  • vielen Dank für diese wertvollen Gedanken
    sie inspirieren auch fürs alltägliche Leben,
    selbst wenn das Reisen nicht unbedingt an erster Stelle steht
    wobei ich doch die Liebe zum Reisen und dem Ent-Decken mit dir teile.

    Mit einem Herzensgruß aus Tirols Bergen,
    und sei mir herzlich willkommen, falls du diese Mal kennen lernen möchtest.

    Von Herzen
    Daniela

  • Hallo Mandy,
    wundervoller Artikel. Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Wir sollten für das dankbar sein was wir haben und die schönen Erlebnisse mehr genießen.
    Die Zitate sind auch echt super :)
    liebe Grüße aus dem Norden
    Nils

  • Unterschreibe ich so auch :) Wie oft wird einem die Frage gestellt, manchmal fast vorwurfsvoll, aber ich sage dann auch immer: ihr könntet alle so viel reisen. Was nämlich niemand sieht, ist, dass das alles eine Frage der Prioritäten ist. Ich habe keinen teueren Sport, kaufe mir lieber ausgewählte Teile, als jede Woche 50 € bei H&M zu lassen usw. Meine oberste Priorität ist das Reisen, noch dazu reise ist möglichst günstig. Das ist das Geheimnis :)

    Ich finde, es lebt sich sehr schön mit unserem Reiseleben und könnte mir auch gar nichts anderes vorstellen.

  • Du hast mich gerade inspiriert, mir doch mal anzuschauen, wie viele Tage und in wie vielen Ländern ich in den letzten Jahren so unterwegs war. Eigentlich stehe ich nicht auf Statistiken, das klingt so nach „abhaken“, aber jetzt war ich wirklich mal neugierig, und siehe da, Überraschung, es ist seit 4 Jahren fast die konstant gleiche Anzahl an Tagen (zw. 60 und 70). Da das bei Dir auch so zu sein scheint: Haben wir da etwa eine Glücks-Reiseformel entdeckt? ;)
    Vielleicht schreibe ich das auch mal auf, wie ich das mache, allerdings – bis auf das Berufsleben steht bei Dir ja alles schon drin, das mit dem Minimalismus braucht zwar noch Zeit, aber ich arbeite dran.
    LG /inka

    • Ich habe auch zum ersten Mal die Tage nachgezählt, aus reiner Neugierde, und ich war überrascht über die Menge… Ja, vielleicht ist das die magic number zum glücklich Leben & Arbeiten & Reisen? Für uns scheint’s ja zu passen. :)

      Minimalismus ist ein Prozess… ich bin da auch noch nicht perfekt drin, aber je länger man sich damit befasst, umso einfacher wird’s. Der Anfang ist am schwersten finde ich, danach wird’s immer einfacher. Tschakka! ;)

  • Hallo Mandy,
    bei mir war es ähnlich. Ich hatte eine Festanstellung, regelmäßiges Gehalt aber einen Job der mir keinen Spaß mehr gemacht hat. Einer Kündigung folgte ein 9 Monatiger Trip durch Asien und es war mit mir geschehen… Die neu entdeckte Leidenschaft, das Reisen, habe ich danach zu meinem Beruf gemacht. Es geht!
    VG
    Stefano

  • 60 Tage pfff *abwink* ;-)
    Hab letztes Jahr 204 geschafft, tbc…so 340 wäre cool ;-)
    Ansonsten sind das genau meine Worte was Du hier so schreibst.

    Hab mich jetzt mal in Ruhe auf dem Rest Deines Blogs umgesehen, schöne Sachen bei, obwohl ich ja „nur“ wegen dem Vanlife-link irgendwo,
    hier gelandet war ;-)

    Grüsse
    Frank

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