Rätselhaftes Nordkorea – Fragen & Antworten (Teil 1)

In Pjöngjang, Nordkorea

Anfang September war ich für neun Tage auf einer Gruppenreise unterwegs durch dieses wundersame Land Nordkorea. Die Eindrücke und Erlebnisse waren so intensiv, vielfältig, irritierend und auch witzig – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!

Deshalb hatte ich euch gebeten, mir eure brennendsten Fragen über die Reise und das Land zu stellen. Nachfolgend findet ihr meine Antworten dazu. Die beste Frage zuerst. :)

Ist Kim Jong Un wirklich so ein Hornochse?

Knappe Antwort: Ja.
Die komplette Kim Sippe ist ein sehr merkwürdiger Haufen. Sie beherrschen ein Land, indem sie seine Bewohner von jeglicher Information abschotten und ihnen ihre Ideologie (Juche) schon bei Geburt eintrichtern – ein Herrschaftskult mit religiösen Zügen. Nachrichten und Zeitungen beinhalten zu 90% Informationen von Kim Jong Un – wenn er mal wieder eine Fabrik besichtigt hat, Baupläne für ein neues Megaprojekt beschließt, Hände schüttelt mit fragwürdigen Gestalten aus anderen Diktaturen.

Das Thema ist super komplex und man kann nicht so recht verstehen, wie die Menschen dieser Ideologie so blind folgen können. Aber wenn dies nun mal als die einzige Wahrheit verkauft wird und alle anderen Gedankenströme potenzielle Gefahren für ihr Land verteufelt werden, kann man es vielleicht ein wenig nachvollziehen.

In Pjöngjang, Nordkorea
Statuen von Kim Jong Il und Kim Il Sung stehen quasi überall. Auch wir mussten uns mehrmals davor verbeugen. Oh man…

Wie frei konntest du die Reise denn planen?

Ich habe die Reise bei Koryo Tours gebucht und mir eine Option der angebotenen Gruppenreisen ausgewählt. Der Reiseverlauf wird von der Agentur geplant. Es gibt auch die Option, eine Privattour zu buchen, bei der man die Reiseroute bestimmt ein wenig personalisieren kann. Jedoch werden bei diesen Touren nur Orte gezeigt, die für Touristen auch freigegeben sind. Individuelles Reisen durch das Land ist leider nicht möglich. Deshalb sollte man auch immer bedenken, dass diese Reise sicherlich keinen kompletten Einblick in den Alltag der Menschen Nordkoreas bietet, sondern man sieht eben nur die Dinge, die wir auch sehen dürfen / sollen.

Die 'Autobahn' in Nordkorea
Die ‚Autobahn‘ in Nordkorea – kaum Autos, aber umso mehr Fußgänger und Radfahrer sind dort unterwegs

Durftest Du ohne Probleme Fotos oder Videos machen?

Generell gilt die Ansage: man darf alles fotografieren, bis auf Soldaten / Militärgebäude / -fahrzeuge sowie Baustellen (alles, was nicht sonderlich repräsentativ für das Land ist).Und ganz wichtig war, dass man Statuen der Kims immer nur komplett fotografieren durfte, also nicht nur Ausschnitte davon. Filmen ist auch möglich. Ich habe öfters aus dem Bus heraus gefilmt, während wir unterwegs waren. Da sind bestimmt auch mal Militärfahrzeuge oder Baustellen im Bild, aber das wurde nicht kontrolliert.

Bei der Ausreise aus Nordkorea (wir sind mit dem Zug von Pjöngjang nach Peking gefahren) werden bei der Grenzkontrolle die Kameras überprüft und ggf. Fotos gelöscht, die nicht erwünscht sind. Aber wir waren darauf vorbereitet und haben einfach die Bilder vorab auf dem Rechner gespeichert. Auch wurde geschaut, ob die Kamera GPS hatte – das mögen sie scheinbar nicht.

Bei der Einreise müssen alle technischen Geräte aufgelistet werden – Kameras, Handys, Laptops, Tablets etc. Die Handys werden am Flughafen kurz abgenommen, in eine Liste eingetragen und man bekommt sie zurück. Vermutlich wird damit versucht einen Überblick zu haben, wie viele Handys ins Land kommen und wie viele das Land wieder verlassen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Grenzkontrollen bei der Ausreise diese Information von uns hatten. Unsere Taschen wurden nicht kontrolliert, sondern nur die Kameras, und es wurde nach Büchern gefragt. Die Soldatin war dann eher am Briefmarkenalbum (ein Souvenir aus Nordkorea) eines Mitreisenden interessiert und hat sich damit länger beschäftigt als mit allem anderen. Im Nachhinein dachten wir, dass wir ihr das Buch einfach hätten schenken sollen, dann wäre die Kontrolle vermutlich schneller vorbei gewesen. Aber das ist nur so eine Vermutung…

Im Park in Pjöngjang, Nordkorea
Fotografieren ist erlaubt, solange man die Regeln befolgt.

Wie gegängelt fühlt man sich durch die Guides? / Wie war das Verhältnis zu deinen Guides?

Bei jeder Reisegruppe sind zwei nordkoreanische Guides dabei. Unsere Guides Mister Lim und Mister Li waren super nett und witzig. Natürlich passen sie auf, dass nichts verbotenes fotografiert wird oder dass man die Gruppe nicht verlässt. Aber viel mehr Aufpasserei fand nicht statt. Es bietet sich auch an, sich mit den Guides gut zu stellen und nicht allzu oft aus der Reihe zu tanzen. Schließlich sind sie die beste (und einzige) Informationsquelle.

Abends an der Hotelbar bieten sich oftmals Gelegenheiten, auch etwas kritischere Fragen zu stellen. Dabei sollte man aber auch vorsichtig sein und nicht persönlich werden oder zu direkt fragen. Aber das gilt m.E. nicht nur für Nordkorea. :)

Mister Lim beim Karaoke
Unser Guide Mister Lim beim Karaoke :)

Wie stark ist Propaganda tatsächlich präsent?

Omnipresent! Morgens um 6 startet der Tag mit motivierender (sicherlich) Propaganda-Musik aus den Lautsprechern auf den Straßen Pjöngjangs. An jeder Straßenecke stehen riesige Mosaikbilder der Kims, Propaganda-Slogans. Ähnlich wie wir mit Werbeplakaten an jeder Ecke genervt werden, stehen dort halt die Propaganda-Statuen & Plakate überall. In jedem Gebäude hängen Bilder und Gemälde der Kim’s an jeder Ecke. In einem Buchladen gab es ganze Regale voller Bücher nur von und/oder über Kim Jong Il. Er hat quasi alles erfunden, alles entschieden… joa.

Gemälde der Kims hängen überall
Gemälde der Kims hängen überall – selbst im Kindergarten

Wie reagieren die Menschen auf Fremde?

In Pjöngjang sind die Leute schon an Touristen gewohnt, man wird dennoch skeptisch beäugt. Aber wenn man lächelt oder winkt, kommt meistens eine freundliche Geste zurück. Theoretisch könnte man sich mit den Leuten auch unterhalten, was allerdings an der Sprache scheitert, da die wenigsten Englisch sprechen und zumindest in unserer Gruppe niemand der koreanischen Sprache mächtig war.

Auf dem Land war es schon etwas anders, dort schauten die Leute teilweise sehr irritiert drein, als wir aus dem Bus stiegen. Erwachsene vermeiden meist Augenkontakt, Kinder schauen neugierig zu uns herüber. Wir haben immer versucht den Kids zuzuwinken und gehofft, sie würden zurück winken. Das hat meistens auch geklappt und alle haben sich gefreut. :)

Auf der Straße in Pjöngjang. Nordkorea
Auf der Straße in Pjöngjang

Hattest du irgendwann das Gefühl „Jetzt muss ich vorsichtig sein?“

Die einzige etwas angespannte Situation war, als wir zur DMZ (Demilitarisierte Zone – die Grenze zu Südkorea) gefahren sind. Dort ist Fotografieren in den meisten Bereichen verboten, wir mussten immer in der Gruppe bleiben, teilweise sogar in Zweierschlange uns aufstellen um von A nach B zu laufen. Unser Guide Mister Lim war dort super nervös und gestresst, dass ja alles glatt läuft.

Es gab nur einen kleinen (banalen) Fauxpas: auf dem Weg in eines der Grenzhäuser an der DMZ mussten wir draußen kurz warten und währenddessen fing einer aus unserer Gruppe leise an eine Melodie zu pfeifen. Der Soldat neben ihm hat ihn sofort darauf hingewiesen, damit aufzuhören. Und scheinbar wurde dieses Vergehen direkt an unseren Guide gemeldet, da er dies später im Bus noch mal erwähnte und darauf hinwies, an solchen Orten bitte einfach nicht zu sprechen oder andere Geräusche zu machen.

An der DMZ in Nordkorea
Blick auf die südkoreanische Seite an der DMZ in Nordkorea

Wie ist das Essen in Nordkorea?

Eigentlich dachte ich, dass ich bei dem Trip durch Nordkorea eher einer Diät unterzogen werde, da ich kein Fleisch und eigentlich auch keine anderen tierischen Produkte esse. In den Hotels wurde unser Tisch immer reichlich gedeckt mit allerlei Leckereien, sehr oft viel Fleisch und Fisch. Das ist sicherlich kein typisches Essen, sondern eher die Touristen-Version. Geschmeckt hat es fast immer sehr gut. Bei jedem Essen ist Reis dabei, der seltsamerweise immer erst zum Schluss aufgetischt wurde, wenn wir fast fertig waren mit dem Essen. Kimchi war auch immer dabei und gab jedem Essen die spezielle koreanische Note. Außerdem gab es Gurken in jeglicher Form und Zubereitungsart – auch als saure Gurken, die ich so liebe. Da wir täglich ein warmes Mittagessen sowie auch Abendessen hatten, befürchte ich, dass ich eher ein paar Kilo zugenommen habe.

Einmal gab es die Option, in einer Pizzeria in Pjöngjang zu Mittag zu essen. Das haben wir uns nicht nehmen lassen, auch wenn dieses Essen (im Gegensatz zu sonst) nicht im Preis der Tour inbegriffen und auch recht teuer war (ab 10€ für eine Pizza). Aber es war definitiv ein Erlebnis, wir konnten sogar den Pizzabäckerinnen bei der Arbeit zuschauen. Und zu unserer Überraschung war die Pizza auch noch super lecker. Unser Guide Mister Li und der Busfahrer waren auch dabei, sie haben sicher aber für eine koreanische Suppe entschieden. Auf die Frage hin, warum sie denn keine Pizza essen kam die simple Antwort: sie mögen keine Pizza.

An einem anderen Tag wurde in einem Restaurant als Option Hundesuppe angeboten – Suppe mit Hundefleisch. Ich habe es dankend abgelehnt, einige aus unserer Gruppe haben das Experiment gewagt und waren ganz angetan davon.

Es gab auch mal ein Abendessen in einem Barbecue-Restaurant, wo Entenfleisch am Tisch gegrillt wurde. Das sah ebenfalls sehr lecker aus, ich habe mich dennoch für die vegetarische Auswahl entschieden und meinen Mitreisenden das Fleisch überlassen, die es sichtlich genossen.

Zum Essen gab es meistens koreanisches Bier, das ganz lecker war. Und als Schnaps wurde Soju angeboten, ein koreanischer Reiswein – sehr lecker!

Essen in Nordkorea
Unser Essen in Nordkorea – sicherlich nicht repräsentativ

Noch mehr Fragen und Antworten folgen demnächst im zweiten Teil!

Vielen Dank an GoTravelblog, Weltblicke, Olivia, Sumsi, Anna, Marco Buch & Rapunzel will raus für eure Fragen! Ich hoffe ich habe sie ausreichend beantwortet. Wenn ihr noch mehr weitere Fragen habt, hinterlasst einfach einen Kommentar.

Meine Frage an euch: Würdet ihr gerne mal nach Nordkorea reisen?

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16 Comments

  • Hallo Mandy, wow tolle Eindrücke und Bilder. Ich hoffe, dass du ein bißchen was zur Musik mitgebracht hast. Und was mich sehr interessieren würde ist die Architektur. Bin mal gespannt, was du dazu zu berichten hast.
    Spontan musste ich an meine erste Russlandreise, damals noch Sowjetunion, 1988/89 denken. Ich lebte in einer der ersten westdeutschen Städte die eine Partnerstadt in der Sowjetunion hatten und war beim ersten Austausch für drei Wochen dabei. Mit uns auf der Reise auch 3 getreue Parteibegleiter und sicher ein KGB Mann. Naja, vielleicht gibt das mal einen Post:-)

    Aber, deine Reise nach Nordkorea hat mit echt beeindruckt, so dass ich dich in meinem Post „Das war der August“ featuren musste ). Und in die Blogroll hab ich dich auch aufgenommen.

    Bin gespannt auf weitere spannende Berichte.
    Regina

    • Danke Regina!! Die Musik kam auf dem Trip etwas zu kurz, vor allem weil ich so gar keinen Zugang dazu finden konnte, abgesehen von den Karaoke-Abenden.
      Die Architektur hat mich auch schwer beeindruckt, zeitweise haben mich Ecken Pjöngjangs ein wenig an Ostberlin erinnert. :)
      Russland steht auch noch auf meiner Wunschliste, das war in den 80ern bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis! Ein Post darüber wäre bestimmt spannend!
      Danke auch für’s Verlinken! Eure Seite finde ich auch sehr „schick“! ;-)

  • Wow! Das ist echt spannend!!! Ich glaube ich habe einfach viel zu viel Angst um so ein Land zu bereisen! Ich habe einen riesengroßen Respekt davor und bewundere deinen Mut! Vielen Dank für die detaillierten Informationen! Es ist toll, dieses Land mal aus einer anderen Perspektive als der der Tagesschau kennenzulernen! Ich freue mich jetzt schon auf Teil 2!!!

    • Danke für dein Lob, Jana! :) Aber so viel Mut gehört da gar nicht dazu… letztendlich passiert einem ja nix, solange man sich an die Regeln hält. Ich hab mich in keinem Moment unsicher gefühlt.
      Teil 2 ist in Arbeit! :)

  • Superspannend! Wir denken ja gerade über eine Reise nach Süd-Korea mit Kindern nächstes Jahr nach. Aber das ist wahrscheinlich nicht halb so spannend wie Deine Reise in den Norden. Das Foto mit den Frauen in den bunten Gewändern finde ich toll. Ich hatte mir aus irgendeinem Grund vorgestellt, daß die da alle nur in grauem Sack und Asche rumlaufen. Lg, Nadine

  • Das mit dem Reis ist wohl der chinesischen Kultur geschuldet. Auch dort wird der Reis in der Regel am Ende aufgetragen und nicht – wie in den europäischen China-Restaurants – zusammen mit den Gerichten. Man sagte mir, dass man dies so mache, um zu verhindern, dass jemand hungrig vom Tisch läuft. Aber das leuchtet mir nicht so recht ein, wenn man bedenkt, wie wichtig es in China ist, andere möglichst reichhaltig zu bewirtschaften.

    • Ja, in Nordkorea gibt es tatsächlich kein McDonalds o.a. bekannte Fastfood-Ketten. Coca Cola ist ebenfalls nicht erhältlich, zumindest nicht in den lokalen Geschäften. In den Touristen-Hotels ist Cola manchmal erhältlich – importiert aus China. Vermisst hab ich’s nicht wirklich. :)

  • Hey Mandy, das ist ein toller Artikel, der echt mal etwas Licht ins Dunkel bringt! IUch finde es ja überhaupt schon extrem cool, dass Du diese Reise überhaupt gemacht hast.
    Danke für das Beantworten meiner Frage!
    Safe travels weiterhin,
    Marco

    • Freut mich, Marco! :) Ja, die Reise war schon sehr speziell – und ich würde sie jederzeit wieder machen. Aber vielmehr hoffe ich darauf, dass der Spuk da bald vor bei ist.

  • Ah – sehr cool! Habe schon lange nach Informationen aus erster Hand über Nordkorea gesucht. Ich hoffe, nächstes Jahr die Möglichkeit zu haben, auch einmal hinzureisen. Wie viel Vorlaufzeit sollte man denn einplanen wg. Visum etc.?

    • Freut mich, dass dir die Infos weiterhelfen! :)
      Das Visum für Nordkorea hat die Reiseagentur organisiert (das machen die ca. 2-3 Wochen vor Reisebeginn und ist ziemlich unkompliziert – solange man kein Journalist ist).
      Da die Touren aber alle (soweit ich weiß) von Peking aus starten, brauchst du ggf. ein Visum für China. Falls du weniger als 72 Stunden in Peking bleibst, gibt es die Möglichkeit des 72h Transfer Visums, das bekommt man direkt bei Einreise in Peking und ist auch kostenlos. Ich musste ein „Double Entry Visum“ für China beantragen, da ich mehr Tage in Peking eingeplant hatte, und die Rückreise ging per Zug von NK nach Peking.
      Das Visum für China sollte ca. 2 Monate vor Reisstart beantragt werden. Hier findest du mehr Infos dazu: http://www.visaforchina.org/

  • Hallo

    Danke für deine Hilfreichen Eindrücke zu diesem Land Nordkorea. Ich Interesse mich zurzeit sehr für dieses Land. Und durch deine Eindrücke wird man verlangen größes diese Land zu Besuchen. Ich möchte verstehen können,wie Menschen in so einem Unmenschlichen Regime Leben und glücklich sein können. Und das eigenen Volk wird in diesem Land Ausgebeutet und diese Schreckliche Armut. Ich möchte es einfach verstehen können. Deswegen würde ich gerne eine Reise in dieses Land machen. Und natürlich auch wegen der Kultur und dessen Landschaft. Und auch wegen der Prachtvollen Architektur. Bin sehr gespannt, werde auch mit so einer Reisegruppe diesen Trip machen. Danke für die tollen und traurigen Eindrücke des Landes.

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