Roadtrip im Van durch Rumänien – Highlights, Tipps & Kritik

Roadtrip im Van durch Rumänien

Insgesamt zwei Wochen bin ich mit dem Van durch Rumänien gereist – einmal quer durch’s Land um die Highlights zu erkunden, die ich mir vorher ausgesucht hatte. Eine wirkliche Ahnung oder Idee hatte ich von Rumänien so gar nicht, vielmehr grummelten diverse Vorurteile in meinem Kopf herum, die ich überprüfen und bestenfalls widerlegen wollte. Dazu am Ende des Beitrags mehr.

Zuerst geht’s mal los auf Tour – wir starten im Norden auf einem fröhlichen Friedhof und fahren bis nach Bukarest.


Sapanta – beim fröhlichen Friedhof

Der fröhliche Friedhof in Sapanta war das erste Ziel meiner Reise durch Rumänien. Ich fand die Beschreibung so skurril, das wollte ich mit eigenen Augen sehen. Geparkt habe ich vor dem Peri-Sapanta Kloster, hier kann man ganz entspannt im Wald stehen. Tagsüber herrscht ist bisschen Verkehr – und eine Schafherde tummelt sich dort. Ansonsten kann man dort wunderbar übernachten. Auch lohnt ein Besuch der Klosteranlage!

Der Besuch auf dem fröhlichen Friedhof war schon irgendwie seltsam. Zwar konnte ich nichts lesen auf den Gräbern, da mein Rumänisch-Kenntnisse quasi nicht existent sind. Dennoch musste ich schmunzeln, weil andere Besucher – offenbar Rumänen – teilweise kichernd von Grab zu Grab liefen. Warum? Der Bildhauer Stan Ion Patras fing 1935 damit an, die Gräber mit witzigen Sprüchen und Geschichten über die Verstorbenen zu versehen. Diese Tradition wird bis heute fortgeführt. Auch ein Besuch der Kapelle des Friedhofs lohnt sich – die farbenfrohen Wand- & Deckengemälde sind sehr beeindruckend!

Tipp: mit der App von Google Translate kannst du die Texte über die Handy Kamera live übersetzen lassen. Das war mir in dem Moment leider nicht eingefallen.


Vișeu de Jos – Zugfahrt mit der Mocanita

Als nächstes steht eine Zugfahrt auf dem Plan – mit der Mocanita Eisenbahn durch das Vaser-Tal, immer am Fluss entlang. Ein schöner und ziemlich langer Tag. Zwei Stunden dauert die Fahrt bergauf bis zur Station Paltin. Die Strecke ist wirklich schön, anfangs fährt man durch ein paar kleine Orte und später wird die Landschaft immer grüner und einsamer…

Marko war natürlich mit an Board und mein Plan war, während der ca. einen Stunde Wartezeit bis zur Rückfahrt (die die meisten der Mitreisenden mit Essen verbrachten) ein bisschen durch die Gegend zu wandern. Aber das ging nicht – die Station liegt direkt am Fluss, links und rechts steile Berge ohne Zugang. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Zeit vor Ort irgendwie auszusitzen.

Leider verzögerte sich die Rückfahrt, da die Lok beim Rangieren von den Gleisen gesprungen ist! Mehrere Männer und schwere Maschinen versuchten, die Lok wieder “in die Spur” zu bekommen, aber vergebens. So mussten wir noch länger warten, bis uns ein Ersatzzug wieder ins Tal gebracht hat. Nichtsdestotrotz war das ein schönes Erlebnis, auch wenn Marko danach fix und fertig war.

Tipp: direkt am Bahnhof Vișeu de Jos kann man auch kostenlos übernachten mit dem Camper, wenn man ein Zugticket gekauft hat. Da dort allerdings so viele Streunerhunde unterwegs sind und es keinen wirklich schönen Spazierweg gibt, habe ich die Nacht vor der Fahrt lieber an einem ruhigeren Ort verbracht.

Infos zu Abfahrtszeiten & Tickets der Mocanita Eisenbahn gibt’s auf der Website mocanita-maramures.com.


Salina Turda

Ein Besuch im ehemaligen Salzbergwerk ist sehr zu empfehlen. Das ganze ist wunderschön anzuschauen – ein bisschen Vergnügungspark unter Tage. Mit Fahrstuhl oder per Treppe kann man die verschiedenen Ebenen des Bergwerks durchlaufen. Sogar Boote kann man dort mieten! Und es gibt ein Riesenrad, Tischtennisplatten und viele andere Dinge zum Entertainen der Menschen. Ich habe mich aufs Spazieren und Eindrücke aufsaugen (und gesunde Luft einatmen) beschränkt.

Infos zu Öffnungszeiten & Ticket gibt’s auf der Website salinaturda.eu.

Übernachtung: Ganz in der Nähe gibt es eine kleine Schlucht: Cheile Tureni – perfekt zum Entspannen und Wandern.


Sibiu Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum in Sibiu: Hier kann man stundenlang durch die riesige Anlage spazieren und sich die Gebäude aus verschiedenen Regionen und Epochen anschauen. Ein toller Ort, an dem man locker den ganzen Tag zubringen könnte.

Good News: auch Hunde sind erlaubt. Aber Vorsicht: dort laufen viele Katzen herum, und auch Schafe, Kühe und Pferde haben wir gesehen. Deshalb konnte ich nicht alle Bereiche besuchen.

Tickets für den Park kann man direkt im Museum am Eingang kaufen. Mehr Infos gibt es auf der Website muzeulastra.ro.


Auf der berühmten Passstraße Transfăgărășan

Endlich: Unterwegs auf der berühmten Passstraße Transfăgărășan hier in Rumänien. Auf der Fahrt nach oben kann man an vielen Stellen an der Straße anhalten und fotografieren. Im Sommer ist’s hier sicher voller, jetzt im Oktober war es sehr entspannt.

Was für eine verrückt schöne Route! Wir haben auf 1.800m übernachtet und standen am nächsten Morgen über den Wolken. Sehr zu empfehlen! Nur bisschen kalt ist’s da oben, deshalb habe ich die geplante Wanderung am Balea See etwas abgekürzt. Bei milderen Temperaturen wäre ich sicher ein paar Tage länger geblieben und hätte die ein oder andere Wandertour unternommen.

Tipp: Frisches Quellwasser kann man etwa 2 km nach dem Tunnel direkt an der Straße zapfen. Dort habe ich meinen Wassertank aufgefüllt. Sehr lecker!


Bärenreservat „Libearty“

Das war der wohl emotionalste Moment auf meiner Reise! Im Reservat „Libearty“ werden misshandelte und kranke Bären aufgenommen und können hier in Frieden leben. Die Geschichten der einzelnen Bären haben mich auf der Tour echt zum Weinen gebracht. Bären wurden zum Vergnügen gehalten, meist in viel zu engen Käfigen. Im Zirkus wurden sie als Tanzbären missbraucht.

Und das schlimmste: es ist noch längst nicht vorbei. Immer noch gibt es Menschen die Bären zum Privatvergnügen halten. Das macht mich so wütend und traurig – und gleichzeitig bin ich froh, dass es Menschen gibt die sich um die Tiere kümmern. Auf der Website millionsoffriends.org findest du viele Infos zum Reservat sowie zu den einzelnen Bären und ihren Schicksalen.

Zur Unterstützung des Bärenreservats habe ich einen Bären adoptiert: Marko aus Albanien – einfach weil mein Marko auch aus Albanien kommt. ;-)

Im Bären-Reservat laufen auch Hunde herum, die dort versorgt werden. In der Nähe von Brasov kümmert sich das dazugehörige Victory Shelter um Straßenhunde, organisiert Kastrationen und vermittelt Hunde. Das Thema Straßenhunde ist in Rumänien ein großes Problem, das mich auch sehr beschäftigt. Falls du etwas gutes tun willst, spende an ein Tierheim vor Ort oder adoptiere einen Hund aus Rumänien – “Adopt, don’t shop”! Danke!


Schloss Bran

Weiter geht die Reise nach Bran, wo das berühmte Schloss Bran steht. Dieses wird als Dracula Schloss vermarktet, obwohl es gar keinen Bezug zu dem Fürsten gibt. Hübsch anzusehen ist es dennoch. Im Sommer jedoch total überlaufen. Am besten unter der Woche spät am Nachmittag hinfahren, dann hält sich der Andrang in Grenzen.


Castelul Peleș in Sinaia

Noch ein hübsches Schloss, wo wir uns zumindest die Außenbereiche angeschaut haben. Marko durfte dabei sein und fand’s auch sehr spannend. Es gab sogar Hunde als Statuen, hab ich nur nicht aufs Bild bekommen. Dafür den Löwen.

Ein Besuch im Ort Sinaia lohnt sich auch, wunderschöne alte Herrschaftshäuser gibt’s zu bestaunen. Ich bin zum Übernachten nach oben zu einem Aussichtspunkt gefahren, bei dem man bei besserem Wetter einen super Blick über den Ort hat. Bei meinem Besuch war’s ziemlich bewölkt.


Bukarest

Eigentlich wollte ich Bukarest auslassen, aber dann lag die Stadt quasi eh auf meiner Route gen Süden. Und obendrein habe ich via Park4Night einen Parkplatz mitten im Zentrum gefunden (“Steko Parking”), von dem aus man zu Fuß die Altstadt erreicht – perfekt!

Ich habe ein wenig die Altstadt erkundet, hab den “Palast des Volkes” (letztes Bild) bestaunt und habe mich über vegane Leckereien gefreut (Sublimmme & FunKink Burgers).

Und was soll ich sagen? Die Stadt gefällt mir richtig gut! Nicht zum da leben, aber ein paar Tage im Großstadt-Dschungel sind doch ganz spannend. Marko hat hier eher an Reizüberflutung gelitten, gepaart mit zu viel Cat Content, aber er hat gut durchgehalten.


Freistehen in Rumänien

Meine Erfahrung mit dem Freistehen in Rumänien: kein Problem! Es gibt viele Plätze zum Freistehen in der Natur. Leider sind diese jedoch oft sehr vermüllt. So sehr manchmal, dass mir die Lust verging, den Müll einzusammeln. Auf dem Foto sieht man es nicht, aber der Platz war so dreckig, dass ich nur eine Nacht geblieben bin. Eigentlich war’s ein schöner ruhiger Ort am Fluss, aber der Müll überall hat das alles versaut.

Ich nutze oft die App Park4Night um Plätze zum Übernachten zu finden. In Rumänien waren die meisten jetzt nicht sooo spektakulär schön, aber ok für eine Nacht. Es gibt auch Campingplätze, die aber nach der Saison meist bereits geschlossen sind.

Zum Wasser auffüllen gibt es mancherorts Wasserquellen am Straßenrand, oder man kann an Tankstellen oder Restaurants nett fragen, ob man etwas Wasser tanken kann (und ein kleines Trinkgeld da lassen). Entsorgung von Grauwasser wird schon schwieriger bei geschlossenen Campingplätzen. Da tut es zur Not der Gulli am Straßenrand. Mit Chemietoilette würde ich hier nicht herumfahren, zumindest nicht in der Nebensaison. Ich habe zum Glück eine Trenntoilette an Board.


Buchtipps

Ich habe meine Reise mit dem Reiseführer von Reise Know-How etwas geplant. Das war sehr hilfreich, vor allem weil ich so überhaupt keine Ahnung von Rumänien hatte.

Das verlinkte GPS-Offroad-Tourenbuch empfehle ich, weil ich den Autoren (pistenkuh.de) schon länger bei ihren Reisen folge und mir sicher bin, dass dieses Buch für Offroad-Touren durch Rumänien bestimmt der Hit ist! Ich bin dafür ja zu schissig, bzw. mein Van einfach nicht dafür ausgelegt. ;-)


Mein Fazit über Rumänien

Ein schönes Land mit vielen Problemen. So kann man es zusammenfassen. Rumänien hat landschaftlich wirklich viele wunderschöne Ecken zu bieten! Ich habe in den zwei Wochen noch lange nicht alles gesehen. Die Menschen sind sehr nett und hilfsbereit. Rumänisch ist eine Sprache, die man schnell verstehen kann. Mit ein paar Worten kommt man gut durch und die Locals freuen sich, wenn man sich zumindest bemüht etwas auf Rumänisch zu sagen.

Dennoch gibt es auch viele Schattenseiten: ich habe große Armut gesehen, vor allem auf dem Land. Und dieser Müll überall! Viele der Plätze, die ich zum Übernachten ausgesucht hatte, waren so vermüllt, dass mir die Lust verging, diesen überhaupt einzusammeln. Das ist so ärgerlich!

Auch das Thema Straßenhunde ist ein Problem in Rumänien. Allein in Bukarest sollen über 65.000 Straßenhunde leben. Absurderweise kümmern sich die Kommunen nur wenig um das Problem, da sie quasi an den Streunern “verdienen” können. Sie erhalten tatsächlich Geld fürs Einfangen der Hunde, deren Unterbringung und Tötung. Mehr Infos dazu findest du u.a. beim Deutschen Tierschutzbund e.V. Es gibt viele Organisationen vor Ort, die sich um die Streuner kümmern. Kastrationsprogramme werden organisiert, um die weitere Ausbreitung etwas einzudämmen.

Generell muss man aber keine Angst vor den Straßenhunden haben. Die meisten sind sehr ängstlich. Wir haben nur wenige getroffen und die sind meist geflüchtet, sobald Marko kurz seine Anwesenheit kund getan hatte. Ich habe immer einen Sack Futter dabei, um die Hunde zu füttern wenn ich welche sehe. So haben sie zumindest mal einen vollen Magen und können wenigstens einen Tag mal etwas entspannen.

Würde ich noch mal nach Rumänien reisen? Definitiv ja! Vielleicht mache ich das sogar direkt nächstes Jahr im Frühjahr, wenn ich wieder in Richtung Deutschland aufbreche… mal sehen!

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2 Comments

  1. says: Wilhelm Sierek

    Herzlichen Dank für den Rumänien-Reisebricht.
    Alles sehr professionell, ansprechend und vor allem nützlich.
    Danke für die viele Mühe.
    Ich werde diese Reise nachfahren.
    LG Willy

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