Reisen mit ‘schwierigem’ Hund – so geht’s

Reisen mit

Auch wenn Marko auf Fotos immer so knuffig und lustig aussieht, hat er es in manchen Situationen faustdick hinter den Schlappohren! Ich habe inzwischen gelernt, damit umzugehen, damit wir beide weitestgehend stressfrei unterwegs sein können.

Um das zu erreichen, sind ein paar Vorbereitungen und ein bisschen Arbeit bzw. Training von Nöten. Darum soll es in dem Beitrag gehen. Außerdem möchte ich auch einfach ein bisschen um Verständnis werben, dass nicht jeder Hund so ein braver Pupsi ist und jedem “Hallo” sagen muss etc. ;-)

Hier kannst du nachlesen, wie alles anfing vor inzwischen fast 4 Jahren:

Marko & ich irgendwo in Portugal
Marko & ich irgendwo in Griechenland

Das Idealbild Mensch & Hund

Ich bin vermutlich nicht die einzige, die sich das Zusammenleben mit Hund etwas zu idyllisch vorgestellt hat, oder? Marko ist mein erster Hund. Bevor er im August 2017 zu mir kam, hatte ich mir schon ausgemalt, wie wir zusammen gemütlich durch die Stadt spazieren, er im Restaurant entspannt unterm Tisch liegt, beim Wandern neben mir her läuft usw.

Die Realität hat mich etwa vier Wochen, nachdem Marko bei mir einzog, eingeholt. Die ersten Wochen war er wirklich ein schüchternes aber neugieriges “Lamm”. Er hat nicht einmal gebellt – ich dachte schon, mit ihm stimmt etwas nicht. In Berlin, wo ich Marko aufgenommen habe, konnte ich mit ihm durch die Straßen laufen, vorbei an anderen Hunden… alles ging gut. Aber dann ist er irgendwann “aufgetaut”.

Das heißt, er fing an andere Hunde anzubellen, oder auch knatternde Mopeds… auch sein Jagdinstinkt machte sich langsam bemerkbar. Vor allem unterwegs im Van – immer an neuen Orten, neue Gerüche, neue Hunde… ich denke das macht das Ganze zusätzlich etwas schwieriger für Marko als wenn wir an einem festen Ort leben würden.

Reisen mit
Nur nicht den Kopf in den Sand stecken! ;-)

Was ist denn ein “schwieriger” Hund?

Ich habe das Wort “schwierig” absichtlich in Anführungszeichen gesetzt, denn irgendwie ist ja jeder Hund individuell. Jeder hat seine Eigenarten – der eine mehr, der andere weniger stark ausgeprägt. Schwierig bedeutet für uns Menschen ja nur, dass der Hund in für uns wichtigen Situationen oder Umgebungen nicht das Verhalten zeigt, das wir uns gerne wünschen.

Und warum tut er das nicht? Weil er es nicht gelernt hat vielleicht oder einfach keine Lust auf Trubel hat. Oder weil er einfach ein Hund ist, der nicht jeden Hund toll findet oder Katzen lieber auffressen als schmusen will oder Kinder eher nervig als spannend findet.

In meinem bzw. Markos Fall bedeutet “schwierig” zwei Dinge:

  • Hundebegegnungen an der Leine sind für Marko super anstrengend.
  • Er hat einen ausgeprägten Jagdinstinkt.

Wenn Marko ein Hund sympathisch ist, ist alles super – siehe Fotos. :-)

Besser spät als nie: eine Runde Mensch-Hund-Training

Um mal etwas gezielter an diesen Themen zu arbeiten, haben wir Ende 2020 die Zeit des Lockdowns in Deutschland genutzt und ein dreimonatiges Kompakttraining bei Dog it right absolviert (Hinweis: unbezahlte Empfehlung). Dank der tollen Tipps von Nathalie habe ich und auch Marko eine Menge gelernt! Das ganze hätte ich idealerweise direkt am Anfang machen sollen, als Marko mit ca. einem Jahr zu mir kam. Aber damals dachte ich noch, das wird ja alles ganz easy… ;-)

Natürlich ist noch längst nicht alles wunderbar, aber jetzt habe ich einen Plan und Methoden, wie ich in Hundebegegnungen reingehe. Vorher war meine Reaktion eher “Oh, da kommt ein Hund… komm, wir gehen schnell woanders lang.”. Inzwischen freue ich mich, wenn ich einen anderen Hund sehe und versuche, die Situation fürs Training zu nutzen.

Auch beim Spaziergang im Wald geht es jetzt etwas entspannter zu, weil ich Markos Körpersprache viel besser lesen kann und frühzeitig reagieren kann, bevor er kläffend in der Leine hängt und einem Reh hinterher hetzen will.

Reisen mit

Unterwegs mit “schwierigem Hund” – das will niemand hören

Gerade unterwegs im Van sind wir ja oft an neuen Orten, treffen neue Menschen und Hunde… das ist für Hunde viel aufregender als zuhause täglich den gleichen Nachbarshunden zu begegnen. Und wenn Marko dann mal nicht so nett reagiert, habe ich schon die wildesten “Ratschläge” bekommen. Meistens gehe ich nicht darauf ein, weil solche Diskussionen nicht viel bringen in dem Moment. Hier mal ein paar Klassiker:

“Wieso erziehst du deinen Hund nicht einfach?”

Ja, genau. Die Idee hatte ich bestimmt noch nicht! Ironie off. Ein Hund ist nun mal ein Lebewesen und auch ich bin nicht perfekt. Und Training ist einfach nicht von heute auf morgen erledigt sondern ein langfristiges Thema. Ok, ich hätte mal früher damit anfangen sollen… aber das ist ja jetzt auch nicht mehr zu ändern. ;-)

“Du musst zeigen, dass du der Chef bist!”

Bei solchen Aussagen verdrehe ich meist (wenn auch nur innerlich) die Augen. Denn nein, ich will nicht der Chef, Rudelführer oder sonst was sein, was irgendwie meint, dass ich über dem Hund stehe. Ich möchte einfach, dass Marko und ich ein gutes Team sind. Und das sind wir definitiv. Schwachstellen sehe ich da eher bei mir, dass ich eben nicht immer aufmerksam bin und in jeder Situation angemessen reagiere.

“Die machen das schon unter sich aus.”

Wenn Hunde zum Beispiel miteinander spielen, kann es schon mal vorkommen, dass die Stimmung kippt. Dann sorge ich dafür, dass die zwei getrennt werden bzw. versuche durch Beobachten des Spiels, dass es gar nicht erst zu solchen Situationen kommt. Denn nein, ich will nicht, dass sich mein Hund mit einem anderen prügelt und wartend daneben stehen, weil “die machen das schon unter sich aus”.

Marko ist ziemlich kräftig und hat schon einigen Hunden weh getan (zum Glück nix schlimmes, aber doof ist’s dennoch). Was lernt der Hund, wenn ich ihn machen lasse? Dass er andere Hunde verkloppen kann und dann seine Ruhe hat. Und vor allem, dass ich ihm in solchen doofen Situationen nicht helfe! Super Learning – nicht.

Entspannt reisen trotz “schwierigem” Hund

Das Reisen mit verhaltensoriginellen Hunden ist sicher etwas anstrengender, aber mit ein bisschen Vorbereitung kann das auch Spaß machen – wir sind der beste Beweis dafür. ;-)

Hast du einen Listenhund?

Wichtig, falls du einen sogenannten “Listenhund” hast, ist das vorherige Überprüfen der Einreisebestimmungen in das jeweilige Land. Das ist auch für uns ein Thema, denn Marko ist ein Rottweiler-Mischling. Deshalb fällt Frankreich zum Beispiel raus in unserer Reiseplanung. Bei Hunde-Urlaub.net findest du die Einreisebestimmungen für jedes Land in Europa. Bei Facebook findest du in der Gruppe Camping mit Listenhund gute Tipps von “Gleichgesinnten”.

Langsam reisen & Pausen machen

Das habe ich recht schnell gemerkt – je länger wir an einem Ort bleiben, umso entspannter wird Marko. Wenn er dann jeden Grashalm beschnüffelt und markiert hat, die Nachbarshunde kennt (wenn auch nur aus der Ferne), dann sieht die Welt schon nicht mehr ganz so wild aufregend aus und Marko ist dann auch viel besser drauf bei Hundebegegnungen oder anderen schwierigeren / stressigen Situationen.

Abstand halten

Bin ich auf einem Campingplatz oder an einem anderen Ort, wo um mich herum andere Menschen mit Hunden sind, versuche ich möglichst etwas Abstand zu halten, damit sich Marko dennoch vor dem Van entspannt aufhalten kann, ohne dass ihn der Nachbarshund zu sehr nervt (oder Marko ihn). Das klappt meist ganz gut.

Vor allem sieht man schön, wie Marko mehr und mehr entspannen kann, wenn er andere Hunde einfach nur beobachten kann. Dann sind die in der direkten Begegnung später beim Spaziergang schon gar nicht mehr sooo gruselig.

Mit Menschen reden

Der ultimative Tipp! :-) Ich hatte inzwischen hier in Deutschland schon einige Situationen, wo ich früher einfach “weggelaufen” wäre. Inzwischen gehe ich da etwas entspannter mit um und spreche die Menschen an. Zum Beispiel, ob sie vielleicht ein Stück zur Seite gehen können, oder ob wir ein Stück zusammen laufen können, oder ob sie doch bitte ihren Hund anleinen können…

Wie letztens an der Ostsee, als wir gerade auf dem Weg zurück zum Van waren. An der Weggabelung stehen zwei Menschen mit ihren insgesamt 4 Hunden (ein größerer und 3 kleine Wuffis). Ich frage nett nach, ob sie vielleicht ein Stück in den linken Weg gehen könnten, damit wir mit etwas mehr Abstand vorbei laufen können. Die Damen waren so nett und haben das gemacht. So konnte Marko ganz ohne Pöbeln vorbei laufen.

Wir haben uns dann noch ein bisschen unterhalten und sind ein Stück zusammen gelaufen. Marko konnte ganz in Ruhe den anderen Hunden nachschnüffeln und hatte wieder eine positive und stressfreie Hundebegegnung. So lernt er bei jeder Begegnung mehr, dass andere Hunde keinen Stress bedeuten… es ist bereits viel besser geworden! An bellenden Hunden hinterm Zaun kann Marko inzwischen vorbeilaufen ohne zu “antworten”. Stattdessen: Fiepsen und dabei Markieren wie verrückt. :-) Aber das ist okay und danach beruhigt er sich auch schnell wieder.

Und noch ein Tipp: Bei Facebook gibt es eine Gruppe namens “Urlaub mit Arschlochhund“. :-) Dort werden oft Ferienhäuser o.a. Unterkünfte für Leute mit speziellen Hunden angeboten.

Hast du auch so einen “verhaltensoriginellen” Hund? Wie gehst du auf Reisen damit um?

Mehr Tipps über Camping-Urlaub mit Hund verrät Marko hier:

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6 Comments

  1. says: Sylke

    Interessanter und ehrlicher Beitrag.
    Meine Doro ist auch noch nicht perfekt, aber es macht tatsächlich viel Freude wenn man zusammen übt und kleine Erfolge sieht.
    Immer in ganz kleinen Schritten.
    Weil ich das alles so spannend finde, habe ich jetzt eine Ausbildung zur Hundetrainerin begonnen.
    Vielleicht mach ich das dann auch von unterwegs aus dem Womo raus.
    Alles Gute euch beiden!

    1. says: Mandy

      Das finde ich super spannend und wünsche dir viel Spaß bei der Ausbildung! Und ich hoffe wir schaffen’s mal uns zu treffen irgendwo. Dann auch gern mit einer Rund Hundetraining. ;-)

  2. says: Lynne Marie

    Och, was habe ich deinen Beitrag gerne gelesen! Auch mein Henry ist sehr… “speziell”. Er ist einfach sehr enthusiastisch mit allem was er macht, sieht, trifft und schnuffelt. Man liest ja nur von vanlife menschen mit perfekten, kleinen wunder-doggies die immer nur lieb sind. hahaha, Henry ist mein 55 kilo Chaot der die Welt, mich, und sonst was am Strassenrand liegt liebt. Wir haben so unsere Herausforderungen. Aber ohne ihn wäre alles langweilig und doof. Henry und ich müssen nun beide bisschen was lernen, bevor wir wirklich in die große Welt können.
    Deine Tips und Links sind super hilfreich und ich bin dankbar!

    1. says: Mandy

      Danke für deinen Kommentar, Lynne Marie! Ja, ein perfekter Hund wäre ja auch irgendwie langweilig, oder? ;-)
      Ich wünsche dir weiterhin viele schöne Momente mit deinem Henry!

  3. says: Werner

    Hallo Mandy, in vielen Punkten hast du recht, aber der Punkt, dass du dem Hund nicht zeigen musst, dass du der Chef bist, gehe ich nicht ganz einig mit dir. Glaub mir, wenn dein Hund merk, dass du alles im Griff hast, dass er nicht auf dich aufpassen muss, wird er ruhiger. Zeig ihm, dass du alle Entscheidungen triffst, nicht er ! Ich reise schon über 30 Jahre mit 2 Deutschen Schäferhunden, ich musste das auch lernen, da ja auch jeder 2. Passant schon einmal von einem Schäfer gebissen Wurde?!? Trotzdem, ich würde nie ohne einen Hund reisen, ist der beste Begleiter . Viel Geduld und Vergnügen mit deinem Kampfschmuser.
    Werner

    1. says: Mandy

      Hallo Werner, danke für deinen Kommentar.
      Mit diesem “Chef” Begriff meine ich, dass ich nicht “über dem Hund” stehen will und dieses ganze Rangordnungs-Gefasel ablehne, das ja seit Jahren bereits widerlegt ist.
      Dass ich meinem Hund Sicherheit gebe und Dinge für ihn regle und Entscheidungen treffe etc., das macht durchaus Sinn und ist v.a. bei unsicheren Hunden sehr hilfreich.
      Viele Grüße & auch dir schöne Reisen weiterhin mit deinen Hunden! :)

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