Krasser Scheiß – Einbau einer Komposttoilette ins Wohnmobil

Einbau der Komposttoilette von Nature's Head

Endlich! Die Komposttoilette von Natur’s Head* wird in meinen Van eingebaut und obendrein gibt es noch eine Außendusche dazu. 

Warum der Umstieg auf eine Trenntoilette bzw. Komposttoilette?

Das alte Chemieklo hat mich schon von Anfang an genervt. Es stinkt, es ist schnell voll und ich musste dauernd eine Entsorgungsstation (meistens auf Stell- oder Campingplätzen) aufsuchen zur Leerung. Chemie hatte ich nicht im Einsatz, dennoch finde ich das System dieser Toilette nicht ausgereift.

Überhaupt verstehe ich bis heute nicht, warum es beim Kauf eines Neuwagens nicht die Option gibt, sich eine andere Toilette einbauen zu lassen. Bei mir war dies zumindest nicht möglich. Das Chemieklo hat sich da scheinbar „etabliert“ – aber vermutlich auch nur, weil viele Leute gar nicht wissen, dass es auch anders geht – nämlich viel umweltfreundlicher und praktischer.

Vorteile der Trenntoilette

Im Gegensatz zum Chemieklo bietet die Trenntoilette eine Menge Vorteile:

  • Es wird keine Chemie benötigt. Das schont die Umwelt und auch deinen Geldbeutel.
  • Es riecht nicht. Wirklich nicht! Ich schwör! ;-) Die Trennung der Ausscheidungen vermeidet die Geruchsbildung.
  • Du sparst Wasser, denn die Toilette funktioniert ohne Spülung.
  • Die Komposttoilette muss viel seltener geleert werden. Der Urintank hält bei mir etwa 5-6 Tage, der Kompostbehälter ist nach über fünf Wochen immer noch nicht voll…
  • Die Entsorgung ist viel einfacher und bedarf keiner speziellen Entsorgungsstationen: der Urintank kann in jeder Toilette oder auch mal im Gebüsch entleert werden. Der Kompost ist – wie der Name schon sagt – einfach Kompost. Diesen könnte man theoretisch in der Natur entsorgen oder ganz einfach im Hausmüll.

Wie genau funktioniert die Komposttoilette?

Bei der Komposttoilette von Nature’s Head kommen Kokosfasern zum Einsatz. Diese sorgen dafür, dass die festen Ausscheidungen mit der Zeit kompostiert werden und am Ende tatsächlich nur noch Erde übrig bleibt. Dafür wird ein Ziegel Kokosfaser* in Wasser eingeweicht. Die Fasern quellen auf und ergeben dann die Basis des Komposts.

Nach jedem großen Geschäft wird dieses dann mithilfe der in der Toilette enthaltenen Kurbel ordentlich durchgequirlt, damit der Kompostierungsvorgang gut starten kann. Toilettenpapier kann übrigens auch hinzugegeben werden, allerdings dauert dessen Zersetzung viel länger. Das führt bei mir aktuell dazu, dass sich das Papier teilweise um die Kurbel wickelt. Nicht so ideal – ich denke in Zukunft werde ich das Toilettenpapier separat entsorgen.

Ich habe meine Komposttoilette jetzt seit etwa 4 Wochen im Einsatz und musste den Kompostbehälter bisher noch nicht leeren. Ich bin mal gespannt, wie lange ich damit auskomme!

Der Urin wird in einem separaten Behälter aufgefangen, dieser umfasst etwa 8 Liter und kann leicht entnommen und geleert werden. Dazu muss der Toilettensitz etwas nach oben geklappt werden.

Einbau der Komposttoilette in den Van

Der Einbau einer Trenn- bzw. Komposttoilette ist an sich kein großes Hexenwerk, dennoch habe ich lieber einen Fachmann ans Werk gelassen – nämlich Vasco von CamperVanService, der seine Werkstatt bei Hannover hat. Dabei habe ich ihm über die Schulter geschaut, ein paar Fotos gemacht und bei gefühlten 40 Grad im Schatten hatten wir dennoch eine Menge Spaß bei der Arbeit! Und so lief der Einbau der Komposttoilette ab:

1. Weg mit dem Chemieklo!

Einbau der Komposttoilette von Nature's Head
Alles leer… Platz für die neue Komposttoilette!

Die große Herausforderung zu Beginn war, erst mal die Chemie-Toilette auszubauen. Diese war mit unendlich vielen Schrauben, die teilweise schwer erreichbar waren, befestigt. Die Schrauben befanden sich alle unten, d.h. man muss vom Servicefach (wo sich bisher die Kassette der Toilette befand) von unten an die Toilette ran und alle Schrauben entfernen. Danach kann diese von oben herausgehoben werden (zuvor muss ggf. noch das Silikon entfernt werden, wenn die Toilette direkt an einer Wand steht und da mit Silikon befestigt ist).

2. Abmessung & Positionierung der Komposttoilette

Zur richtigen Positionierung der Toilette muss darauf geachtet werden, dass der Klodeckel sich noch gut öffnen lässt und oben bleibt – deshalb sollte die Toilette nicht zu dicht an der Rückwand stehen. In meinem Fall mussten wir das hintere Scharnier der Toilette (zum Hochklappen des Sitzes bei der Entleerung) entfernen, um noch mal etwa 1 cm Raum nach vorne zu gewinnen. Das Scharnier ist nicht wirklich notwendig – links und rechts befinden sich noch 2 Halterungen zum Einrasten des Toilettensitzes auf dem Behälter.

Die Maße der Komposttoilette von Natur’s Head*: 

  • Höhe 53,2 cm
  • Tiefe: 48,3 cm
  • Breite an der Basis (unten): 33 cm
  • Breite am Sitz: 41,3 cm
Einbau der Komposttoilette von Nature's Head
Das Scharnier muss ab!

Wir haben dann einfach die Toilette testweise ins Bad gestellt und so positioniert, dass alles passt (Platz für den Abluftschlauch, die Kurbel rechts, etc.). Dann wurde die Position für die zwei Schrauben, welche in den Boden kommen, markiert und die Befestigung dafür angebracht.

3. Abluftschlauch & Stromanschluss für den Lüfter

Anschließend hat Vasco eine Holzplatte zum Abdecken der Öffnung zum Kassettenfach zugeschnitten und ein Loch für den Abluftschlauch reingebohrt. Für das Abluftrohr musste noch ein Loch in die Serviceklappe gebohrt werden. Dazu wurde ein Lüftungsgitter von außen angebracht. Der Stromanschluss, der bisher für die Spülung der Chemietoilette im Einsatz war, wird jetzt für den Abluft-Ventilator verwendet.

4. Toilette verschrauben, alles anschließen & fertig!

Zum Schluss geht alles recht flott – die neue Komposttoilette wird auf den zwei Boden-Verankerungen verschraubt, der Abluftschlauch und das Stromkabel für den Lüfter werden angeschlossen und schon ist die Toilette einsatzbereit!

Einbau der Komposttoilette von Nature's Head

Bonus: die Außendusche!

Ich wollte unbedingt noch eine Außendusche haben, vor allem für meinen lieben Dreckskerl Marko! ;-) Das bot sich bei diesem Umbau direkt an – der Wasseranschluss, welcher bisher für die Toilettenspülung vorgesehen war, wurde kurzerhand etwas verlängert und nach draußen verlegt.

Für den Anschluss von außen wurde eine „Wassersteckdose“ in die Serviceklappe montiert. Damit kann man einfach den Schlauch anschließen und die Wasserpumpe ein- und ausschalten.

Genaue Details zu den Maßen und zur Montage kann ich hier nicht im Detail erklären, schließlich habe ich nur tatenlos zugeschaut und Fotos gemacht bei dem Einbau der Komposttoilette. Wenn du Fragen zu diesen Details hast, kann dir Vasco  bestimmt weiterhelfen!

Mein Fazit

Ich bin so froh, dass ich endlich die Komposttoilette in meinem Van habe – damit bin ich viel länger autark unterwegs und muss nicht andauernd nach Entsorgungsstationen suchen. Gerade hier im Inland von Griechenland ist die Abdeckung dafür recht dünn.

Auch hoffe ich, dass mit der Zeit die Hersteller von Wohnmobilen endlich die Option Trenntoilette mit in ihr Angebot aufnehmen. Diese Chemieklos braucht wirklich niemand!

Dass die Toilette beim Entleeren des Kompostbehälters komplett abgebaut werden muss, hat mich anfangs etwas zögern lassen. Aber die Entleerungsintervalle sind ja so lang (bei mir vermutlich etwa zwei Monate), dann ist diese Aktion durchaus zu verschmerzen. Wie sich die Komposttoilette von Nature’s Head* langfristig bewährt, werde ich hier natürlich berichten!

Einbau der Komposttoilette von Nature's Head

16 Kommentare

  • Aaaah, lang hab ich auf diesen Artikel gewartet! :D
    Da bei uns die Idee immer weiter ausreift, uns doch noch einen Van anzuschaffen, überlegen wir nun gerade, wie „luxuriös“ der sein soll. Sowas wie Du kann ich mir nicht leisten, aber tatsächlich überlege ich, ob ich die Größe entsprechend so anschaffe, dass ich eine Komposttoilette einbauen kann. Denn es ist nunmal doch irgendwie doof, in den Wald zu machen, wenn man auf einem einsamen Parkplatz steht. So nach dem Motto: Wenn das jede/r machen würde, wärs halt echt blöd.
    Ich bin gespannt, was Du weiter erzählst. Echt interessiert hätte mich noch, wie der Unterschied der Kompostierung zwischen Fleischesser*in und Veganer*in ist. Ich vermute mal, vegan dürfte sehr viel schneller gehen? Und irgendwie find ich es komisch: Auf meinen Kompost schmeiße ich ja auch keine Fleischabfälle, deshalb ist mir nicht ganz klar, wie das funktioniert. Ich werd da nochmal bisschen weiterforschen (den Mann werde ich never ever überreden können, vegan zu essen…).
    LG /inka

    • Oh, das ist ein super Plan, den ihr da schmiedet! Ja, die Toilette war mir von Anfang an auch wichtig, denn wenn ich nachts mal Pipi muss, will ich einfach nicht vor die Tür laufen… ein bisschen „Luxus“ wollte ich mir schon gönnen… ;-)
      Das mit dem Unterschied der Kompostierung bei Fleischessern und Veganern hatte ich bisher noch gar nicht auf’m Schirm, aber interessante Frage. Ich beobachte das mal bei mir und werde berichten, falls ich bahnbrechende Erkenntnisse in meinem Badezimmer auftun! :D

  • Ahh, hab schon drauf gewartet , verstehe auch nicht warum man das als Option nicht wählen kann. Aber denke alle Produktionsabläufe sind so automatisiert das es tatsächlich aufwendiger / kostspieliger wäre. Aber vllt ja in Zukunft :)
    Bekommst du denn jetzt noch die trenntüre zur Dusche zu ?

    • Ja, der Kostenfaktor (und vermutlich auch das Argument „das haben wir schon immer so gemacht“) spielt da sicherlich eine Rolle, warum das Chemieklo so ein „Platzhirsch“ ist… aber vielleicht ändert sich da mal was…
      Die Trenntüre zur Dusche geht zu, sie „schubbert“ zwar an der Toilette, aber ist ja flexibel genug. Deshalb haben wir das Scharnier an der Rückseite der Toilette entfernt, damit diese nicht so weit in den Raum ragt.

  • Hi
    Interessanter Bericht. Zwei Fragen hätten wir allerdings:
    1. Warum ein Lüftungsschlauch, wenn es doch nicht riecht?
    2. Wie verhält sich der Platzbedarf gegenüber einer herkömmlichen Toilette? Da wir auch in unserem Kasten duschen, wäre eine weitere Einschränkung im Platz eher ungünstig.
    Lieben Gruß von Travel-Cycle

    • Hallo Michael, ich habe mal beim Hersteller nachgelesen, da ich alles Details auch noch nicht sicher bin. :-)

      1. Zum Lüfter: „Wird die Toilette durchgängig benutzt, so kann ein ununterbrochener Betrieb des Lüfters die Kompostierung beschleunigen. Wenn Sie die Toilette für einen Zeitraum von 10 Tagen oder länger nicht benutzen, ziehen Sie den Stecker des Lüfters ab, da der Kompost sonst zu trocken und hart werden könnte. Sollte dies einmal passiert sein, können Sie eine kleine Menge Wasser zugeben und den Feststoffbehälter mit Hilfe der Kurbel durchmischen.“ (https://www.tomtur.de/support/faq/)

      2. Die Toilette ist einen Ticken größer als das vorher eingebaute Chemieklo. Der große Unterschied jetzt ist, dass die Toilette fest nach vorne steht. Das Chemieklo war drehbar und nahm somit nach vorne nicht so viel Platz weg. Dennoch passt die Tiefe der Komposttoilette noch gerade so, dass ich die Abtrennung für die Dusche wie gehabt zumachen kann. Ich denke da müsstet ihr einfach mal abmessen, wie das bei eurem Bad passt. Die Maße der Toilette habe ich oben im Artikel ergänzt.

      Viele Grüße!
      Mandy

  • Hallo Mandy,
    willkommen im Club der Kompostklo-Besitzer! Eine sehr gute Entscheidung. Und noch dazu der Umbau vom besten aller Handwerker Vasco, das ist ja echt das Beste.
    Unsere Nature’s Head haben wir jetzt seit über einem Jahr im Einsatz und sind so happy damit. Und wegen der Kommentare, dass man ja das ganze Klo für die Entleerung des Kompostbehälters raustragen müsse: Nein, wie Tomtur auf FB schon kommentiert haben, kann man das auch im Mobil in einen großen Müllsack entsorgen. Aber wir tragen die NH immer ganz raus, um sie auf einem Komposthaufen (oder halt doch auch mal in einen Müllbeutel) zu entsorgen. Das ist nicht schwer, wiegt sie ja nicht die Welt.
    Viele Grüße aus Frankreich nach Griechenland,
    Marc und Selena

    • Hallo ihr zwei!
      Juhu, was für’n cooler Club! ;-) Ja, die Entscheidung war genau richtig und wurde zum Glück noch rechtzeitig gefällt. Hier in Griechenland würde mein altes Klo echt nerven… aber so bin ich sehr entspannt unterwegs.
      Liebe Grüße!

    • Hallo Bernd,
      die Grundmasse sind Kokosfasern. Die gibt’s bei Tomtur für z.B. 6€ für 3 Ziegel:
      https://www.tomtur.de/produkt/kokosfaserziegel-kompoststarter-starterset/ref/7/
      Es können auch andere Stoffe (Torf z.B.) verwendet werden, aber Kokosfaser soll wohl am besten funktionieren.
      Ein Ziegel ist für eine Füllung und diese reicht bei mir seit Mitte August (also inzwischen über 6 Wochen). Bei 2 Personen im Van ist eine Leerung wohl nach etwa 4-5 Wochen notwendig, kommt natürlich auch auf die Nutzung an… :-)
      Ich werde später noch berichten, wie meine Erfahrungen damit sind.

  • Mich würde vor allem mal interessieren, wie sich die T³ bei Durchfall macht. Ist bei mir seit ein paar Monaten leider Dauerzustand und ich denke mal, dass das nicht so gut funktioniert oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.