Alleinreisende Frauen im Campervan: Interview #7 mit Debbi

Alleinreisende Frauen im Campervan: Interview #7 mit Debbi
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Alleine reisen & leben im Campervan – für viele ein großer Traum. In dieser Interviewreihe stelle ich dir Frauen vor, die ihren Traum umgesetzt haben und Vollzeit in ihrem Van leben. Debbi ist seit 2017 zusammen mit ihren Hunden im Camper unterwegs und berichtet von ihrem Leben on the Road und welche Vor- und Nachteile sie beim Allein reisen als Frau sieht.

Debbi

von Hallo Abenteuer

Seit wann lebst du im Campervan und wie kam es dazu?

Ich lebe seit August 2017 im Camper. Nach einer tollen Reise von Island bis nach Mauretanien mit meinem Ex-Freund ging die Beziehung in die Brüche. Mit ein paar Klamotten und zwei Hunden stand ich wieder in der Heimat. Die alte Wohnung und mein ganzer Besitz aufgelöst. Was nun? Ich bin kurzfristig bei Familie und Freunden untergekommen und habe mich neu orientiert. Es muss wieder ein Camper her. Ein anderes Leben kann ich mir im Moment nicht mehr vorstellen.

Also habe ich mir kurze Zeit später einen Bus gekauft. Und aufgrund plötzlich fehlendem alternativen Wohnraum, bin ich ein paar Wochen später eingezogen. In eine Baustelle. Die gleichzeitig auch noch jeden Tag bewegt werden musste, um zur Arbeit zu kommen. Das Chaos könnt ihr euch wohl vorstellen. So richtig fertig ist der Bus auch Monate später immer noch nicht. Aber langsam fehlen nur noch Details. Zuhause habe ich mich aber sofort gefühlt.

Alleinreisende Frauen im Campervan: Interview #7 mit Debbi

Wie ist für dich das Reisen & Leben im Van, alleine als Frau? Welche Vor-/Nachteile verbindest du damit?

Vorteile:

  • Die ultimative Freiheit
    Gerade weil ich alleine bin. Ein interessantes Ortsschild und ich bin abgebogen. Noch ein Tag länger neben Sanddünen stehen und ich mach das. Zudem kann ich immer entscheiden, ob ich gerade lieber alleine sein möchte oder mir nach Gesellschaft ist.
  • Einfach neue Leute kennenlernen
    Als alleinreisende Frau im Camper gehört man (leider) zu einer Minderheit. Die Leute sind sehr interessiert. Manchmal nervig. Aber in den meisten Fällen ergeben sich tolle Gespräche, Begegnungen oder sogar Freundschaften. Seit ich alleine reise, lerne ich viel mehr neue Leute kennen. Schon manch einfaches „Hallo“ endet bei einer Einladung zum Abendessen und einem Glas Wein.
  • „Der Mädels-Bonus“
    Gleichberechtigung hin oder her. Mir ist aufgefallen, dass es wohl sowas wie einen Mädels-Bonus gibt. Der italienische Tankwart kommt völlig hysterisch angerannt und hält mich von der Weiterfahrt ab, weil er denkt, dass ich falsch getankt habe (Benzin statt Diesel). Mein Bus ist mal wieder furchtbar schlecht geparkt und der marokkanische Parkwächter will sich schon beschweren. Ich bitte um zwei Minuten, damit ich kurz etwas einkaufen kann. Er lächelt und stellt sich direkt an die hintere Ecke von meinem Bus, damit niemand hineinfährt. Ich werde in der Nacht von der Polizei geweckt, weil ich hier nicht stehen darf. Ob ich alleine bin? Ja, ich sei alleine und habe Angst im Dunklen zu fahren. Und ohne Probleme darf ich die Nacht stehen bleiben. Die Liste könnte ich jetzt noch lange weiterführen, aber man versteht wohl was ich meine.

Nachteile:

  • Partner(in) für tiefgründige Gespräche
    Ich lerne zwar super viele Leute kennen. Aber oft bleibt eine gewisse Oberflächlichkeit. Man redet einfach selten über ernste oder tiefgründige Themen mit Menschen, die man erst kennengelernt hat. Aber zum Glück gibt es in der heutigen Zeit ja fast überall mobiles Netz und Freunde sind schnell angerufen. Und ja, ich rede auch mit meinen Hunden…
  • Sicherheit
    Ich fühle mich grundsätzlich sehr sicher. Aber etwas gesunder Menschenverstand muss schon sein, wenn man alleine reist. Ich suche Übernachtungsplätze immer bei Tageslicht und höre auf mein Bauchgefühl. In Ländern wie Marokko stehe ich höchst selten alleine. Ich stehe zusammen mit Freunden oder Bekannten (oder solche, die es vielleicht werden ;)) oder fahre auf einen bewachten Parkplatz oder Campingplatz.
  • Man ist alleine.
    Auch in blöden Situationen. Manchmal wäre jemand, der beim Parken hilft, wirklich praktisch. Navigieren und fahren kriege ich zusammen auch nie auf die Reihe. Bei einer Panne ist es zu zweit auch einfacher. Oder wenn man ernsthaft krank ist. Aber es gibt immer eine Lösung und bei jedem gemeisterten Problem wird man selbstsicherer. Zudem entstehen oft auch wieder tolle Begegnungen, wenn man einfach jemanden um Hilfe bittet.
  • Blöde Anmachen
    Eigentlich traurig, dass ich dies doch als Nachteil erwähnen muss. Aber gerade weil man auffällt, lassen interessierte Männer nicht lange auf sich warten. Bei jungen, charmanten Männern stört mich das ja nicht. Aber ich wurde in der Schweiz schon bei stockendem Verkehr auf der Autobahn ausgebremst nur um einen unfassbar schlechten Anmachspruch zu hören. Oder gleich nach dem Parken vor einem französischen Supermarkt (das natürlich ausgiebig begutachtet wird – Frauen und große Autos…) bekam ich ein eindeutiges Angebot von einem Mann, der wohl doppelt so alt war wie ich. Und die Heiratsanträge von Marokkanern zähle ich schon gar nicht mehr. Mittlerweile amüsiere ich mich aber darüber.

Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht allein unterwegs?

Nein, wirklich schlechte Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht. Bis jetzt hatte ich eine einzige Situation, wo ich mich kurz unwohl gefühlt habe. In einer Stadt in Marokko ist mir sehr penetrant ein junger Mann nachgelaufen. Auch nachdem ich ihm deutlich gesagt habe, er soll mich bitte nicht verfolgen. Ich machte einen älteren mir entgegenkommenden Herren auf meinen Verfolger aufmerksam. Es folgten ganz viele böse Worte auf Arabisch und der junge Mann kam sich bei mir entschuldigen und ließ mich in Ruhe. Der ältere Herr begleitete mich noch ein Stück.

Womit verdienst du dein Geld unterwegs?

Ich arbeite aktuell nicht von unterwegs. Vielleicht ändert sich das irgendwann noch. Ich arbeite im Sommer saisonal in der Schweiz, während ich da auch im Camper lebe. Aufgrund fehlender Miete & Co. habe ich tiefe Lebenskosten und mit dem gesparten Geld reise ich wieder solange bis das Konto leer ist.

Welchen „ultimativen“ Tipp möchtest du jeder allein reisenden Frau mitgeben?

Sei dir nicht zu schade, Hilfe anzunehmen oder darum zu bitten. Du kannst stolz sein alleine unterwegs zu sein, aber du musst nicht alles alleine können.

Und für alle die noch überlegen: Natürlich kannst du warten bis irgendwann dein Traumprinz auf einem weißen Pferd angeritten, oder noch besser wäre natürlich gleich in einem coolen Van angefahren kommt. Aber du weißt nicht was morgen ist. Und irgendwann ist es zu spät. Einfach machen! Wenn nicht jetzt, wann dann?!

Wenn du mehr von Debbi erfahren möchtest, schau mal bei ihr vorbei:
Blog Hallo Abenteuer / YouTube / Instagram

Vielen Dank für deine Antworten, Debbi!
Ich wünsche dir weiterhin eine schöne Zeit unterwegs in deinem Van!

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