Spontaner Ausflug zum Placebo-Konzert

Placebo in Berlin 2013

Also eigentlich wollte ich gar nicht zu dem Konzert, denn die letzten Alben von Placebo fand ich eher langweilig und zu poppig, zu glatt. Aus dem neuen Album Loud like Love kenne ich bisher nur diesen nervigen Song Too Many Friends, der ganz nett klingt, aber der Text ist so albern, dass ich mich dafür nicht wirklich begeistern kann. Aber am Ende bin ich doch schwach geworden und habe gestern Abend spontan noch ein Ticket für das Konzert in der Berliner o2 World ergattert, u.a. aus ganz „nostalgischen“ Gründen:

Back in 1996, eine Vorband namens Placebo

Dennoch hat die Band ein Platz in meinem Herzen, da unser erstes „Kennenlernen“ eher zufällig stattfand und bis heute eine sehr schöne Erinnerung ist: In meiner kleinen idyllischen Heimatstadt Bischofswerda gab es damals (am 18. Oktober 1996 um genau zu sein) einen Auftritt einer Band namens The Mustard Seeds, die wir überhaupt nicht kannten. Aber da es sonst nicht viel zu tun gab, sind wir einfach mal hin und wollten sehen, was die so machen.

Ehrlich gesagt kann ich mich überhaupt nicht an den Auftritt der Mustard Seeds erinnern (und habe auch danach nie wieder was von der Band gehört). Woran ich mich aber noch sehr gut erinnern kann, war diese Vorband namens Placebo, die dort ihr gleichnamiges Debütalbum präsentierten. Besonders die kleine Diva Brian Molko und seine andauernden Beschwerden über die Beleuchtung der Bühne blieb mir in Erinnerung. Das war bizarr aber irgendwie witzig. Die Musik hat reingehauen, bis heute ist das erste Album mein Favorit und wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Come Home, Teenage Angst, 36 Degrees… oder ihre allererste Single Nancy Boy, alles Lieblingssongs vom ersten Album.

Aber zurück in die Gegenwart: November 2013 in Berlin, o2 World

Zuletzt hatte ich Placebo 2010 in Buenos Aires gesehen und das war ein sehr seltsames und eher langweiliges Konzert für mich, was u.a. auch an der Location lag (eine nur mäßig gefüllte Sporthalle). Die Berliner 02 World ist auch nicht die beste Konzert-Location – viel zu groß und null Atmosphäre. Der einzige Vorteil – ich wohne nur 10 Minuten davon entfernt. Das war wohl auch der Grund warum ich dachte, ich fahre einfach mal hin (mit einer gewissen Skepsis) und schaue ob es noch Tickets gibt. Howie war dabei und wir fanden recht schnell jemanden, der mir ein Stehplatz-Ticket für ein bisschen weniger als den Originalpreis verkaufte.

Die Vorband Toy haben wir ausgelassen und uns statt dessen an der Bar einen Cuba Libre gegönnt (laut Barkeeper war der Mix „für Erwachsene“ – das hab ich auch schnell gemerkt!). Zuvor haben wir noch alberne Fotos geknipst…

… und zum Glück ging kurz nach 21 Uhr endlich das Konzert los.

Ich war irgendwie aufgeregt und voller Vorfreude, was vielleicht auch an dem Cuba Libre extra strong lag. Los ging’s mit mir unbekannten Songs, u.a. Loud Like Love vom neuen Album. Nachdem auch dieser olle Song Too Many Friends endlich überstanden war, stürzte ich mich mal mutig ins Getümmel, um weiter vor an die Bühne zu kommen und so eine bessere Sicht auf die Band zu haben. Mit so einer Aktion macht man sich generell immer sehr unbeliebt, besonders bei meiner Größe. Aber ich hab dann irgendwo einen Platz gefunden zwischen netten und tanzenden Menschen, und die Aussicht war perfekt!

Der Sound war super, nur die Stimme von Brian Molko schien mir manchmal recht schwach anzukommen (was m.E. am Sound der Halle lag, nicht unbedingt an seiner Sangeskunst). Egal, ich hatte dennoch Spaß und hab die Show genossen und mich gefreut, wenn ein paar ältere Songs erklangen, u.a. Teenage Angst, Special K, The Bitter End – und Every You Every Me durfte natürlich auch nicht fehlen:

Fazit – gut aber früher war’s besser

Ich bin kein Musik-Profi und scheue mich immer davor, musikalische Kritik zu äußern. Deshalb beschränkt sich meine Kritik eher auf meinen ganz persönlichen Eindruck, das Gefühl das so ein Konzert am Ende hinterlässt und das man mit nach Hause nimmt. Und gestern war mein Gefühl sehr gemischt, euphorisch der alten Zeiten wegen und ein wenig skeptisch, was die Gegenwart angeht.

Erst mal war das ganze recht kurz gehalten, ich glaube nicht mal 90 Minuten dauerte die Show. Die Band hat das Set perfekt gespielt, aber eben nicht mehr. Kaum Interaktion mit dem Publikum, keine Ansagen zwischen den Songs. Ich mag es immer, wenn eine Band sich auf die Leute einstellt und wenigstens ab und an mal was sagt, einfach um ein bisschen das Gefühl zu bekommen, dass die Spaß dabei haben.

Gestern sah mir das alles sehr professionell „abgearbeitet“ aus. Bei früheren Konzerten gab’s definitiv mehr „Passion“ und Spaß auf der Bühne. Aber vielleicht liegt dieser Wandel inzwischen einfach am Kamillentee, den die Band jetzt statt der Drogen zu sich nimmt.

Tee ist der neue Rock’n’Roll – zumindest wenn man um die 40 ist.

Brian Molko

Am Samstag erwartet uns ein ganze anderes Programm: Primal Scream im Mini-Club BiNuu (wo geschätzt bestimmt nicht mehr als 200 Leute reinpassen). Ick bin jespannt!

 

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